Text-Bild-Ansicht Band 51

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angegriffen. Man kann dasselbe auch zu Dachsparren, Schindeln und Balken benuzen; denn es hat zwar weniger Elasticität, als das Tannenholz, springt aber nicht so leicht, als dieses, weil seine Fasern inniger mit einander verbunden sind. Bildhauer, Dreher und Tischler können das Holz der Roßkastanie sehr gut verwenden, denn es nimmt jede Farbe und jeden Firniß an. In einigen Fällen bedient man sich desselben auch statt des Eschen- und Buchenholzes zur Verfertigung der Zugjoche für das Hornvieh, wozu es sich wegen seiner Leichtigkeit sehr gut eignet. Eben so gibt es sehr gute Holzschuhe, und wird zu diesem Behufe selbst dem Erlen- und Birkenholze vorgezogen.

Das frühzeitige Abfallen der Blätter ist wahrlich nicht von Belang, und wird durch das frühe Austreiben im Frühlinge, und durch den dichten Schatten, den sie im Sommer gewähren, reichlich ersezt. Allerdings kann man keines unserer Hausthiere zum Genusse der Blätter der Roßkastanie bewegen; allein sie geben doch eine gute Streue, und will man sie einäschern, so erhalt man aus denselben wen mehr Alkali, als aus den Blättern irgend eines anderen Baumes. Uebrigens hat man die frischen Blatter zu Lyon auch schon zum Zurichten der Hüte angewendet, indem sie beim Sieden eine schleimige, klebrige Substanz geben.

Die Unbrauchbarkeit der Früchte endlich, die den wichtigsten der erwähnten Einwürfe bildet, dürfte durch folgende Bemerkungen und Versuche widerlegt werden.

Die Früchte der Roßkastanie werden in wildem Zustande von den Hirschen, den Rehen, und zuweilen selbst von den Wildschweinen verzehrt. Man versuchte Hunde und Schweine damit zu füttern, allein vergebens; am liebsten frißt sie noch das Hornvieh, und man hat bemerkt, daß Ochsen, die mit zerschnittenen und gekochten Roßkastanien gefüttert wurden, ein sehr festes und reichliches Fett ansezten. Kühe behielten dabei eine große Menge Milch, die keinen üblen Geschmak hatte. Puymaurin will Schafe damit gefüttert, und Boos mehrere Schafheerden dadurch von einer epidemischen Krankheit geheilt haben; wahrscheinlich wußten Beide den Geschmak der Früchte zu maskiren, denn im Allgemeinen haben die Schafe einigen Widerwillen dagegen. In England füllte man alte Fässer mit Roßkastanien, weichte diese 3 bis 4 Tage in fließendes Wasser, und verwendete dann die Früchte zur Mastung der Schweine und der Hirsche. Ich fand, daß die Maceration der Früchte, selbst wenn sie zerschnitten sind, wenigstens 8 Tage lang fortgesezt werden muß, wenn der bittere Geschmak nur einigermaßen vermindert werden soll.