Text-Bild-Ansicht Band 51

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Man schlug vor, die Roßkastanien in alkalischer Lauge maceriren zu lassen, sie dann zu mahlen, und an die Hühner zu verfüttern. Dieses Verfahren schien zu gelingen; allein es ist zu geringfügig, als daß es die Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnte. Eben so hat man die Früchte getroknet, gemahlen und zu Buchbinderkleister empfohlen, weil man behauptete, dieser Kleister würde wegen seiner Bitterkeit von den Insecten nicht angegriffen. Dem ist aber nicht so, denn dieser Kleister verliert nach 1/2 bis 1 Jahre seine Bitterkeit, wo er sie doch gerade am meisten nöthig hätte. Besser eignet sich daher zu diesem Behufe noch ein Zusaz von Ruß unter den Kleister.

Hr. Antoine, Apotheker am Spitale des Val-de-Grâce, behauptete bei der Destillation der Roßkastanie nur Essigsäure erhalten zu haben, die ihm vor der Gährung schon in diesen Früchten enthalten zu seyn schien. Ich seze diese Früchte nach demselben Verfahren in Gährung, nach welchem man in Deutschland die Erdapfel in Gährung bringt, und erhielt auf diese Weise einen Alkohol, der weder in Hinsicht auf Menge, noch in Hinsicht auf Geschmak auch nur im Geringsten entsprach.

Man hat die Roßkastanien auch zum Reinigen der Wasche empfohlen; man rieb zu diesem Zweke in jede Pinte Wasser zwei Früchte, und verwendete dieses Wasser, nachdem es erwärmt worden, als Seifenwasser. Diese Reinigungsmethode gab jedoch schlechte Resultate; die Wasche wurde gelblich und übelriechend. Hr. Marcandier, bekannt durch seine Abhandlung über den Hanf, behauptet jedoch; daß die Roßkastanie bei gehöriger Behandlung doch mit Vortheil zum Reinigen verwendet werden kann, obwohl sie der Seife nachsteht. Ich habe diese Bleichkraft nicht finden können; denn die Roßkastanie enthält zwar eine große Menge Alkali; allein es ist so gebunden, daß man dessen Menge bloß durch die Einäscherung erfährt. 50 Pfd. Roßkastanienasche geben 35 bis 36 Pfd. reine Potasche von erster Güte.

Einige Fabrikanten behaupteten, sie haben Kerzen aus den Roßkastanien verfertigt. Dem ist aber nicht so: denn der bittere und zusammenziehende Bestandtheil diente bloß dazu den Hammeltalg zu reinigen und ihn fester zu machen; er vermehrte die Menge des Talges durchaus nicht, sondern er verminderte ihn im Gegentheile bedeutend, so daß diese Art von Kerzen immer theurer zu stehen kommen müssen, als andere.

Die Roßkastanie enthält auch eine Art von Oehl, welches man in geringer Quantität gewinnen kann, wenn man die zermalmten Früchte etwas erwärmt und dann auspreßt. Das Roßkastanienpulver