Text-Bild-Ansicht Band 51

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4 Quentchen Nahrungsstoff, und 2 Unzen bitteres Parenchym; der Ueberrest besteht aus Rinde, Extractivstoff und Wasser.

Baumé gibt dreierlei Methoden an, nach welchen sich das Stärkmehl aus der Roßkastanie gewinnen läßt. Nach der ersten dieser Methoden soll man 6 Pfd. abgeschälte Kastanien 24 Stunden lang in Wasser einweichen. Das Wasser löst hierbei eine geringe Menge Extractivstoff auf, wird röthlich und bitter; und dann ist auch der Zeitpunkt gekommen, wo die Kastanien von ihrem zweiten Häutchen befreit werden müssen. Dieß geschieht am besten, indem man sie zwischen einem von zwei Personen gehaltenen Tuche hin- und her rollt. Die auf diese Weise behandelten Früchte werden in einem Mörser gestoßen, mit einer Walze in einen Teig verwandelt, und dann mit 10 Pfd. Weingeist von 30° in ein gläsernes oder irdenes Gefäß gebracht, welches man den Sonnenstrahlen oder einer gelinden Wärme aussezt und öfter umrührt. Nach 24 Stunden seiht man das Ganze durch ein Tuch und drükt es stark aus. Den Rükstand läßt man hierauf 24 Stunden lang mit frischem Weingeiste aufgegossen, und dieß wiederholt man mit einer gleichen Menge Weingeist noch vier Mal, oder so lange bis der Weingeist keine Farbe mehr annimmt. Das zurükbleibende Sazmehl wird dann getroknet, und gibt ein weißes, durchaus nicht bitteres Pulver, woraus man mit Erdäpfeln oder Weizenmehl Brod bereiten kann.

Dieses Verfahren ist so umständlich, daß von einer Anwendung desselben im Großen gar keine Rede seyn kann. Anwendbarer ist das zweite, nach welchem 6 Pfd. Roßkastanien auf dieselbe Weise gereinigt, gestoßen und zermalmt und mit 300 Pinten Wasser angerührt werden. Dieses Gemenge schäumt beim Umrühren mit einer Spatel wie Seifenwasser, und dieser Schaum wird mit einem großen Schaumlöffel abgenommen. Nach 2 Stunden Ruhe gießt man das Wasser vorsichtig ab, und schüttet hierauf eine gleiche Menge Wasser auf den Rükstand; dieses Auswaschen sezt man so lange fort, bis das Wasser weder milchig, noch grünlich abfließt und auch keinen Geschmak mehr annimmt. Man wäscht in 2–3 Tagen 8–10 Mal aus; der Rükstand wird endlich ausgepreßt, an der Sonne getroknet, gepülvert und durch ein Sieb gebeutelt, worauf man ihn als Starkmehl verwenden kann.

Auch dieses Verfahren ist im Großen unbrauchbar, und das dritte ist nicht besser, denn der ganze Unterschied besteht darin, daß man die Kastanien abschält, troknet, sehr fein pülvert und hierauf auf dieselbe Weise behandelt.

Baumé sagt, daß man 8 Unzen dieses Sazmehles mit 8 Unzen Weizenmehl vermengen, und dann zur Hälfte mit 20 Quentchen