Text-Bild-Ansicht Band 51

Bild:
<< vorherige Seite

Säure auf 200 Theile Wasser bringt keinen anderen Nachtheil, als den der größeren Kosten.51)

Ich erhielt auf diese Weise seit mehreren Jahren beständig vollkommen reines Sazmehl; auch das Mark hatte durchaus keinen unangenehmen Geschmak, und beide erhielten sich, an einem trokenen Orte aufbewahrt, zwei Jahre lang in vollkommen gutem Zustande. Ich behandelte vergleichsweise die Erdapfel mit reinem, und die Roßkastanien mit gesäuertem Wasser, und erhielt bei 25maligen Versuchen jedes Mal ein Product an Sazmehl, welches bei den Kastanien um 11 Procent größer war, als bei den Erdäpfeln. Die besten Roßkastanien gaben mir 30 Proc. ihres Bruttogewichtes Sazmehl; die besten Erdapfel hingegen gaben mir nur 20–22 Procent ihres Bruttogewichtes. Außerdem gewähren die Roßkastanien den Vortheil, daß man das Sazmehl aus denselben zu jeder Zeit ausziehen kann, weil sie nicht so auswachsen wie die Erdäpfel, vom Froste nicht Schaden leiden und überhaupt getroknet eben so leicht zu behandeln sind, als frische, so daß man die Ernte von 2 bis 3 Jahren zusammenkommen lassen kann.

Die getrokneten Roßkastanien kann man entweder zerstoßen, durch Schwingen von der Rinde befreien, 48 Stunden lang in Wasser einweichen, zerreiben, und dann auf die beschriebene Weise behandeln; oder man kann sie nach dem Zerstoßen und Schwingen auf einer Mühle mahlen, und das Mehl gleichfalls dem angegebenen Verfahren unterwerfen.

Das aus den getrokneten Roßkastanien gewonnene Sazmehl ist eben so gut, wie jenes aus den frischen; nur ist es weniger weiß, und in etwas geringerer Quantität vorhanden. Beide Arten von Sazmehl, sowohl jenes aus den frischen, als jenes aus den getrokneten Erdäpfeln, lassen sich zu verschiedenem Küchengebrauche verwenden, und geben mit Weizenmehl in gehörigem Verhältnisse gemengt gutes Brod. Bei dessen Verwandlung durch Schwefelsäure in Syrup und Alkohol erhielt ich dieselben Producte, wie aus dem Erdäpfelstärkmehle, so daß man die Roßkastanien also eben so gut auf Branntwein benuzen, und die Erdäpfel dafür bei Mißernten zur Nahrung verwenden kann.

Ich versuchte auch, ob sich nicht aus dem zweiten, dritten und

51)

Meine Abhandlung veranlaßte auch noch andere Versuche, deren Urheber ich jedoch nicht nennen darf. Man wendete nämlich Aezkali statt Schwefelsäure an, und erhielt auf diese Weise zwar weißeres und leichteres Stärkmehl, allein auch in geringerer Quantität, als mit Schwefelsäure. Ebendieß war auch bei der Behandlung mit Ammoniak der Fall. Wahrscheinlich dürften sich die Alkalien mit Vortheil zur Reinigung des zur See verdorbenen Mehles eignen. A. d. O.