Text-Bild-Ansicht Band 51

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viertel, Abwaschwasser Nuzen ziehen ließe, und erhielt beim Abdampfen desselben ein reichliches Extract von alkalischem Geschmake, welches ziemlich leicht, und mit einer Flamme brannte, die der Flamme der Harze ähnlich ist. Der alkalische Geschmak, den ich an dem Extracte des vierten Waschwassers, welches keine Säure mehr enthielt, erkannte, brachte mich auf die Idee, ob sich dieses Wasser, mit Roßkastaniensazmehl gekocht nicht als Schlichte für die Weber benuzen ließe, indem diese Schlichte vielleicht die gehörigen hygroskopischen Eigenschaften besizen mochte.

Eine gute Schlichte muß glatt, vollkommen gleichmäßig, und von solcher Consistenz seyn, daß sie sich vollkommen in die Bürsten vertheilt, und nach allen Richtungen auf die Kette auftragen läßt. In jeder Gegend hat man beinahe eine eigene Methode die Schlichte zu bereiten; nicht ganz befriedigt ist aber noch das Verlangen nach einer Schlichte, welche in solchem Grade hygroskopisch ist, daß man die Webestühle in gesünderen, luftigeren und helleren Localitäten errichten kann. Man glaubte diese Eigenschaft in dem sogenannten Canariensamen, in den Samen der Phalaris canariensis erkannt zu haben; allein das Mehl dieser Samen kommt nicht nur für grüben Zeuge zu hoch zu stehen, sondern es läßt sich auch bei den feinsten Zeugen, die eine vollkommene Weiße erhalten sollen, nicht anwenden, weil es denselben eine grauliche Farbe mittheilt, die sich durch das Bleichen nur sehr schwer entfernen läßt. Außerdem ist es beinahe unmöglich dieses Mehl gänzlich von einer geringen Menge der Schale der Samen zu befreien, und diese Schalentheilchen, die sich in Wasser nicht auflösen, verursachen öfter ein Brechen der Faden. Hr. Dubuc fand, daß die Eigenschaften dieses Mehles von dessen größerem Gehalte an salzsaurem Kalke herrühren. Er schlug daher, die Nachtheile der Schlichte aus Canariensamen einsehend, eine Schlichte vor, die gegenwärtig in einigen Fabriken gebräuchlich ist, und die man sich bereiten kann, indem man 1 Pfd. Erdäpfelsazmehl und 10 Quentchen arabischen Gummi unter beständigem Umrühren bei gelindem Feuer mit 4 Pinten Wasser kocht, und nach 8 bis 10 Minuten anhaltendem Sieden, je nach der Jahreszeit, 6 Quentchen bis zu 1 Unze salzsauren Kalk zusezt.

Ich dachte mir nach diesen Beobachtungen des Hrn. Dubuc, daß das Sazmehl, welches aus den an Alkali so reichen Roßkastanien gewonnen wurde, vielleicht zur Bereitung einer Schlichte geeignet seyn dürfte, wenn man demselben wieder einen Theil jenes Alkali zusezen würde, welches ihm bei seiner Ausziehung benommen wurde. Ich vermengte daher 1/2 Pfd. Roßkastaniensazmehl mit 2 Unzen Weizenmehl und 1 Unze senegalischem Gummi, den man jedoch