Text-Bild-Ansicht Band 51

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Aus dem Journal de connaissances usuelles. December 1833, S. 34.

Die Mittheilung, die uns einer unserer Correspondenten, Hr. Bar, über einen Unglüksfall machte, der sich kürzlich zu Clene-Ba bei Valancy beim Reinigen eines Brunnens ereignete, und die an uns gerichtete Anfrage, was in dergleichen Fällen zu thun sey, veranlaßt uns zur Bekanntmachung des nachfolgenden Aufsazes, der, wie wir hoffen, doch Einiges zur künftigen Verhütung ähnlicher Unfälle beitragen dürfte.

Das traurige Ereigniß, welches am oben angeführten Orte vorfiel, ist folgendes. Es versiegte einer der Brunnen der Gemeinde, und da sich diese Unannehmlichkeit auch nach dem erstmaligen Ausgraben und Räumen wiederholte, so nahm man die Arbeit neuerdings auf. Man arbeitete zwei Tage lang, kam aber nicht weit vorwärts, weil man auf sehr festes Gestein getroffen war. Man wollte nun eine Mine springen lassen, wurde aber daran verhindert, weil das aus den Spalten des Felsens herausdringende Wasser das Pulver und die Wike benezte. Man kam daher auf die Idee brennendes Stroh und glühende Kohlen in den Brunnen zu werfen, um das Wasser dadurch zu verdampfen und das Pulver zu entzünden; allein auch dieß mißlang, und man ließ daher Alles in diesem Zustande. Der erste Arbeiter, der nun den nächsten Morgen darauf in den Brunnen hinabstieg, beklagte sich über den üblen Geruch in demselben; man trug ihm an wieder heraufzusteigen, er wollte aber durchaus arbeiten, und füllte selbst einen Kübel mit Wasser und Unreinigkeiten. Nachdem dieser Kübel herauf gefördert, versuchte der Arbeiter, wahrscheinlich weil er sich unwohl fühlte, gleichfalls heraufzusteigen; er war jedoch kaum bis auf die vierzigste Stufe gekommen, als er herabstürzte und sich die Hirnschale zerschellte. Vier Tage später bot sich ein anderer Arbeiter an, der den Brunnen bloß reinigen wollte; auch dieser beklagte sich über den üblen Geruch; er arbeitete aber doch 3/4 Stunden, worauf er sich neuerdings über den Geruch beklagte. Man rieth ihm heraufzusteigen; allein man vernahm nichts weiter von ihm, und da sich Niemand fand, der es gewagt hätte, zu dessen Beistand und Rettung in den Brunnen hinabzusteigen, so schikte man einen reitenden Noten an die Behörde zu Valençay, welches eine halbe Stunde entfernt war. Die Behörde fand endlich nach langer Zeit Mittel; nach 5 Stunden wurde der unglükliche Arbeiter aus dem Brunnen herausgezogen, allein in entseeltem Zustande!

Dergleichen Unfälle sind schon unzählige vorgefallen, und noch immer, und aller Warnungen und Nachschlage ungeachtet, liest man deren häufig in den Tagesblättern erzählt. Wir halten es daher für dringend

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der Sanitätspolizei beauftragt sind, dringend ans Herz, den Aufsaz des Hrn. Chevallier aufmerksam zu studiren, damit sie wenigstens so viel daraus lernen, daß man da, wo man selbst nichts weiß, wenigstens doch Sachverständige zu Rathe ziehen und nicht glauben soll: Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand. A. d. R.