Text-Bild-Ansicht Band 51

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nöthig, dieselben neuerdings zu wiederholen, und sie besonders unseren Polizei- und sonstigen Verwaltungsbehörden ans Herz zu legen.

§. 1. Von der Luft und den Veränderungen, die sie erleidet.

Die Luft besizt, wie alle übrigen gasartigen Flüssigkeiten, eine auflösende Eigenschaft, welche sie besonders durch Vermittelung des Wärmestoffes ausübt, weil sie die aufgelösten Körper bei einer Verminderung der Temperatur zum Theil wieder fallen läßt. Sie kann daher von den schädlichen Substanzen, auf denen sie verweilt, eine mehr oder minder große Menge von Theilchen aufnehmen. Eine zweite Quelle des Mephitismus oder der Verderbniß der Luft beruht auf der chemischen Verwandtschaft jenes Theiles der atmosphärischen Luft, der zur Unterhaltung der Verbrennung und der Respiration geeignet ist, d.h. des Sauerstoffes, mit einigen säurefähigen Substanzen, z.B. dem Kohlenstoffe. Eine dritte, sehr reichhaltige Quelle ist die Zersezung, welche die organischen Körper erleiden; und endlich nimmt selbst die reinste atmosphärische Luft, wenn sie längere Zeit an einem und demselben Orte eingeschlossen bleibt oder stagnirt, schädliche Eigenschaften an, die sich nicht selten schon durch Betäubung und wirklichen Tod derjenigen, die sich unvorsichtig an solche Orte verfügten, kundgaben.

Bei einer aufmerksamen Beobachtung der Erscheinungen, welche sich an jenen, die in solcher verdorbener Luft verunglükten, wahrnehmen lassen, ergibt sich, daß das Nervensystem zuerst davon ergriffen wird, und daß dann hierdurch die Thätigkeit einer oder mehrerer Verrichtungen des Körpers aufgehoben wird; so z.B. das Athmen, wodurch die sogenannte Asphyxie (eine tiefe Ohnmacht) erzeugt wird; der Herzschlag, dessen Aufhören eine Syncope (Ohnmacht) veranlaßt; die Gehirnthätigkeit, durch deren Stillstand eine Apoplexie (Schlagfluß) entsteht. Kehrt nach einem solchen Anfalle die Sensibilität wieder zurük, so zeigen sich gewöhnlich Convulsionen, heftiges Kopfweh, und nicht selten bleibt ein oder der andere Theil des Körpers, vorzüglich die unteren Extremitäten oder die Geschlechtsorgane gelähmt. Alles dieß ist ein deutlicher Beweis, daß der Mephitismus der Luft zuerst auf das Nervensystem und vorzüglich auf das Rükenmark wirkt, ein Umstand, der in Hinsicht auf die Behandlung der Verunglükten von höchster Wichtigkeit ist.

Es gibt wohl auch Falle, in welchen der Scheintod nur Folge des Mangels des Athmens zu seyn scheint, wo man den Kranken dann leicht zu sich bringen kann; allein selbst in diesem Falle ist die Nerventhätigkeit unterbrochen, und nur durch Wiederbelebung derselben läßt sich die aufgehobene Verrichtung wieder herstellen.