Text-Bild-Ansicht Band 51

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mit einem Worte in der Nahe von Orten befinden, an welchen eine größere Menge verwesender vegetabilischer oder thierischer Stoffe angehäuft ist, so können diese Stoffe von dem Wasser aufgelöst und fortgeführt werden, und auf diese Weise in die Brunnen gelangen, wo sie dann in Gährung übergehen und zur Entwikelung schädlicher Gasarten Anlaß geben, so daß die Brunnenräumer verunglüken müßten, wenn sie ohne gehörige Vorsichtsmaßregeln in dergleichen Brunnen hinabsteigen würden.

Wir selbst trafen in Paris und in den benachbarten Gemeinden Brunnen, welche durch das aus den Abtritten, Branntweinbrennereien, Fleischereien etc. abfließende Wasser verunreinigt waren, und eben so Brunnen, die mit keiner ähnlichen Substanz verunreinigt waren, und die dennoch Stikgas und kohlensaures Gas entweichen ließen. Bei dem Zweke der Brunnen, d.h. bei dem täglichen Gebrauche des in ihnen enthaltenen Wassers, ist es daher von größter Wichtigkeit, daß die Behörden darauf sehen, daß die Brunnen an keinem Orte angelegt werden, an welchen das Wasser derselben durch die Infiltration schädlicher Substanzen verdorben werden kann.

Um allen den Unfällen, in welche ein Arbeiter beim Reinigen eines Brunnens gerathen kann, vorzubeugen, hat man Folgendes zu beobachten. Man muß sich zuvörderst von der Beschaffenheit der in ihm enthaltenen Luft versichern, und sich überzeugen, daß dieselbe zur Unterhaltung der Verbrennung und des Athemholens geeignet ist.

Man läßt zu diesem Behufe gewöhnlich ein brennendes Licht bis an die Oberfläche des Wassers hinab; löscht dieses nicht aus, so hält man dieß für einen Beweis, daß der Arbeiter ohne Scheu an seine Arbeit gehen kann. Diese Probe ist zwar im Allgemeinen gut, allein doch nicht unfehlbar; denn schon in mehreren Fällen war die Luft in den Brunnen im Stande, die Verbrennung zu unterhalten, und doch war sie zum Athemholen untauglich. Das sicherste Mittel ist, ein lebendes Thier in den Brunnen hinabzulassen; lebt dieses in der Tiefe fort, so kann der Arbeiter ohne alle Furcht gleichfalls hinabsteigen.

Allein selbst wenn das Licht im Brunnen nicht auslöscht, und selbst wenn ein hinabgelassenes Thier in der Tiefe ungestört, wie in freier Luft fortlebt, soll man noch folgende Vorsicht gebrauchen: 1) soll man den Arbeiter mit Riemen versehen, welche um dessen Mitte und unter den Achseln durchgehen, und an deren oberem Theile ein Ring angebracht ist, durch welchen man ein Seil gehen läßt, damit man ihn, im Falle ihn ein Unwohlseyn überrascht, sogleich an die freie Luft Heraufziehen und die gehörige Hülfe leisten