Text-Bild-Ansicht Band 51

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dem Hôtel-de-Ville einen sehr einfachen Apparat vor, dessen sich die Brunnenräumer zu Paris bedienen sollten.53)

Von dem Schwefelwasserstoffgase. Enthält der Brunnen Schwefelwasserstoffgas oder gekohltes Wasserstoffgas, so rührt man 4 bis 5 Pfd. trokenen Chlorkalk mit 20 Pfd. Wasser an, besprizt damit die Wände des Brunnens in einer Höhe von 1 oder 2 Fuß über der Wasserfläche, und wartet hierauf einen Tag, bevor man den Arbeiter in den Brunnen hinabsteigen läßt. Noch besser und sicherer ist aber auch hier die Anwendung eines Ventilators, weil der Arbeiter auf diese Weise immer frische Luft von Außen erhält. Sehr gut dient hierzu auch der Krumm- oder Aermelofen des Hrn. Cadet de Veau; nur muß hier das Feuer in dem Ofen immer gehörig unterhalten werden, weil sonst mit dem Erlöschen des Feuers auch die Ventilation zu Ende wäre. Ein lebhaftes mit Holz unterhaltenes Feuer taugt zu diesem Behufe besser, als ein Kohlenfeuer.

§. 6. Von den aufgelassenen Brunnen, Schachten und Bergwerken etc.

Nie soll man nach Gewittern in alte Brunnen, Keller und unterirdische Gewölbe hinabsteigen; denn man hat bemerkt, daß die Luft an diesen Orten hauptsächlich nach Gewittern sehr verdorben ist, weil der durch eine große Menge Wassers verdünnte Koth und Unrath dann leichter in das Innere der Erde eindringt, und sich überall ansammelt, wo er leere Räume trifft. Uebrigens ist es auch bekannt, daß die Pfüzen und Kloaken nie einen übleren Geruch verbreiten, als zur Zeit von Gewittern.

Die allergefährlichsten Schachte oder Brunnen sind jene, in welchen sich Salzwasser befindet, wenn dasselbe lange Zeit über nicht wehr ausgeschöpft worden. Es entwikelt sich nämlich aus demselben ein so erstikendes und so fürchterlich stinkendes Gas, daß es Jeden, der hinabzusteigen wagt, beinahe augenbliklich tödtet. Auch wenn ein Gemenge von süßem und gesalzenem Wasser längere Zeit ruhig stehen bleibt, entwikeln sich Dämpfe von unerträglichem Gestanke, welche großen Theils aus Schwefelwasserstoffgas bestehen.54)

53)

Einen äußerst einfachen und sehr zwekmäßigen Ventilirapparat gab neuerlich der Brunnengräber Pottiar zu Paris an. Wir haben denselben im Polytechnischen Journal Bd. XLIX. S. 132 beschrieben und abgebildet. A. d. R.

54)

Die an manchen Seeküsten herrschende höchst ungesunde Luft, die berüchtigte Malaria der Romagna, ist gleichfalls das Resultat der Vermischung von salzigem Wasser mit süßem Wasser an Orten, an welchen das Gemisch mehr oder weniger still steht. Die aus dieser Vermischung entstehende Zersezung und Fäulniß