Text-Bild-Ansicht Band 51

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9) Die Arbeiter sollen nie den Koth weiter oberhalb angreifen, sondern immer allmählich vorwärts schreiten und das aufladen, was ihnen zunächst ist, ohne in den weiter oberhalb befindlichen Koth zu treten. Sie sollen eine leinene Kleidung haben, welche bloß zur Arbeit in den Kloaken bestimmt ist, und mit wasserdichten Stiefeln, welche täglich geschmiert werden müssen, versehen seyn. Sie sollen sich reinlich halten, gehörig nähren, und vor dem Hinabsteigen in die Kloaken ihre Hände jedes Mal mit einer Auflösung von Chlorkalk versehen; auch sollen sie immer ein Fläschchen mit Chlorkalk bei sich führen.

Die Aufseher haben darauf zu achten, daß der Rauchfang während der Arbeit immer in gehöriger Thätigkeit ist, was sie leicht daran erkennen können, wenn die Flamme der Lampen nicht gerade emporsteigt, sondern sich gegen die zweite Raumstube, über welcher der Rauchfang angebracht ist, wendet. Obschon der Rauchfang vor dem Ventilator im Allgemeinen den Vorzug verdient, so läßt sich derselbe doch in einigen Fällen, wie z.B. bei Kohlenniederlagen, wegen Feuersgefahr nicht anwenden.

Man kann auf den Unrath in den Kloaken auch trokenen oder flüssigen Chlorkalk streuen oder schütten, oder die Kloaken mit fließendem Wasser auswaschen; doch muß das Wasser in diesem Falle rein seyn, und keine Säuren etc. enthalten, wie dieß bei dem aus den Fabriken, Werkstätten etc. abfließenden Wasser sehr oft der Fall ist.

Man hat endlich bei dem Baue der Kloaken hauptsächlich auch noch darauf zu sehen, daß sie einen gehörigen Fall haben, und daß sie keine Krümmungen machen; auch soll man eine gehörige Menge von Luftlöchern an denselben anbringen, damit hinreichende Luft in dieselben eindringen kann, und damit dem Gase, welches sich entwikelt, Austritt verschafft wird.56)

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Straßen, durch welche sie fahren müssen, gehörig zu düngen; wenigstens kann man deren Spuren mit dem Auge sowohl, als mit der Nase lange Zeit über verfolgen. Dieser schändliche Unfug wird unter den Augen und Nasen der Behörden bereits seit Jahren getrieben, und selbst die Choleraangst, die doch in Hinsicht auf Straßen- und Sanitätspolizei an vielen Orten manches Gute bewirkte, war nicht im Stande, demselben ein Ende zu machen! Man kommt wahrlich in Versuchung, zu glauben, es herrsche hierbei mehr böser Wille, als Unverstand. A. d. R.

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Die Art von Luftlöchern, wie man sie zu Paris an den Kloaken und Canälen anbringt, haben das Unangenehme, daß sie oft eine große Menge schädlicher Ausdünstungen entweichen lassen, wodurch nicht nur die Luft im Allgemeinen sehr verdorben, sondern auch den benachbarten Laden oder Werkstätten, in denen sich silberne oder sonstige metallene Gegenstände befinden, durch das Anlaufen großer Schaden zugefügt wird. Da nun diese Luftlöcher doch nicht hinreichend sind, um die Luft in den Kloaken zu reinigen, so hat man neuerlich im Journal des