Text-Bild-Ansicht Band 51

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ich vor mehreren Jahren über denselben Gegenstand anstellte; die sonderbaren Resultate, welche ich dabei erhielt, verdienen eine umfassendere Untersuchung, und da ich gegenwärtig verhindert bin, meine Versuche wieder aufzunehmen, so theile ich dieselben hier mit, weil sie für viele ein Interesse haben und einen Chemiker, vielleicht Hrn. Braconnot selbst veranlassen dürften, das sehr merkwürdige Verhalten der Salpetersäure zum Eisen zum Gegenstande einer besonderen Untersuchung zu machen.

Hr. Braconnot sagt: „wenn man Eisenfeile oder auch Eisenblech in concentrirte Salpetersäure taucht, so behält sie darin, ohne die geringste Veränderung zu erleiden, ihren Metallglanz ganz bei, so daß sie also dadurch gegen den Rost geschüzt wird. Kocht man dieselbe Säure über dem Blech, und übersättigt sie dann mit Ammoniak, so sezen sich kaum einige unbedeutende Floken von Eisenoxyd ab.“ Ich will nun die Beobachtungen, die ich meinerseits (im August 1825) machte, angeben.

Wenn man in Salpetersäure von 1,399 spec. Gewicht ein gut gereinigtes Stük Draht, aus weichem Eisen taucht, so wird das Eisen auf der Stelle braun und verursacht ein mehr oder weniger lebhaftes Aufbrausen, mit Entbindung rother Dämpfe; dieses Aufbrausen dauert aber nur einige Augenblike. Bald läßt es nach, und wenn es aufhört, nimmt das Eisen augenbliklich seinen Metallglanz wieder an und bleibt dann ruhig und unversehrt auf dem Boden der Säure, so lange man es aufbewahren will.

Das so behandelte Eisen (welches ich der Kürze wegen im Folgenden vorbereitetes Eisen nennen werde) kann aus der Säure genommen und der Luft ausgesezt oder in reines Wasser oder in Ammoniak getaucht werden, ohne daß es dadurch die Eigenschaft, durch Salpetersäure angegriffen zu werden, wieder erlangen würde. In seinem vorbereiteten Zustande kann man es sowohl in der Luft als in der Säure mit Gold, Silber, Platin, Queksilber, Glas und mehreren anderen Substanzen (sanft) berühren, ohne diesen Zustand zu zerstören. Wenn man aber die Oberfläche heftig reibt, so daß eine innige Berührung hergestellt wird z.B. mit der Schneide eines Glasstükes auf einer Glasplatte, so wird der eigenthümliche Zustand desselben vernichtet, und wenn man es neuerdings in die Säure taucht, so zeigt sich wieder ein Aufbrausen, auf welches eine gänzliche Unwirksamkeit folgt, wobei der Metallglanz wieder erscheint; mit einem Worte, der vorbereitete Zustand wird wieder ganz hergestellt.

Andererseits wird, wenn man vorbereitetes Eisen entweder mit Kupfer, Zink, Zinn, Wismuth, Antimon, Blei, oder mit nicht vorbereitetem Eisen, in der Luft, im Wasser, oder in der Säure berührt,