Text-Bild-Ansicht Band 51

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Ich begann meine lezteren Versuche neuerdings und sezte Salpetersäure zu, um das überschüssige Chlorür zu zersezen, und zu diesem Ende erhizte ich auch ein wenig; sogleich bemerkte ich, daß die gelbe Farbe verschwand und eine schöne in Violet stechende Purpurfarbe in großen Floken niederfiel, was meine Annahme zu bestätigen schien.

Ich konnte mir aber nicht eben so genügend erklären, warum ich bei derselben Menge von Wasser, Gold und Zinn, in einem Falle Purpurroth und im anderen Violet erhielt; indessen glaubte ich, daß in dem Falle, wo ich seine Fällung beschleunigt hatte, das Gold sich ungleichförmig aggregirt hatte, das heißt, daß Purpur und eine gewisse Menge Blau entstanden war, die durch ihre Vermengung Violet bildeten. Vor einigen Jahren hatte ich sehr beträchtliche Quantitäten von Goldpurpur zum Färben von Krystallglas zu bereiten und erhielt mit Sicherheit violette Nuancen, indem ich Chlornatrium (Kochsalz) zusezte und nach der alten Art verfuhr, das heißt, von einer Flüssigkeit in die andere goß, und zwar bei einer gelinden Wärme; wenn man aber so, wie ich es für die drei ersten Verhältnisse angab, verfährt, so verzögert das Chlornatrium nur die Bildung des Purpurs; das Product ist gleichartig und bleibt nur in dem Verhältniß noch länger suspendirt, als das Medium dichter ist; man erhält auf diese Art mit:

400 K. C. Wasser,
10 – Goldauflösung,
50 – concentrirter Kochsalzauflösung.
7 – Zinnauflösung.

zuerst eine dem Bier ähnliche Farbe, die mir Gold in außerordentlich fein zertheiltem Zustande zu seyn scheint; in zehn Minuten wird sie korinthenfarbig und in einigen Stunden schön purpurroth, genau wie die, welche man mit einem großen Ueberschuß von Zinn erhält, wenn man sie freiwillig sich niederschlagen läßt.

Vermindert man bei diesem Verhältniß stufenweise die Menge des Kochsalzes, so wird man um so schneller dieselben Resultate erhalten.

Ich habe so eben gesagt, daß das Violet ein Gemenge von Roth und Blau ist und nach zahlreichen Versuchen gelang es mir auch lezteres besonders zu erhalten.

Ich bringe in eine Röhre von der Größe des Daumens 10 K. C. meiner Zinnauflösung, seze sogleich 3 K. C. Salpetersäure zu und erhize auf 50 oder 60° C. (40 bis 45° R.), d.h. bis man die Salzsäure, die sich dann entbindet, deutlich am Geruch erkennt, und tröpfle dann einen Kubikcentimeter Goldauflösung ein; endlich verdünne ich mit destillirtem Wasser und vermische das Ganze, indem ich die Röhre öfters umkehre; das Product ist mehr oder weniger Helles Indigoblau, je nach der Menge des Wassers.