Text-Bild-Ansicht Band 51

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Gießt man das Ganze in eine Schale und läßt es in Berührung mit der Luft stehen, so wird das Blau nach einer gewissen Zeit violet, dann purpurroth, und wenn fast alle Flüssigkeit verdunstet ist, bleibt auf dem Boden der Schale nur noch basisch salzsaures Zinnoxydul und Goldchlorid zurük; will man aber die blaue Farbe in ihrer ganzen Reinheit erhalten, so muß man das Product in ein längliches Gefäß oder besser in eine große kegelförmige an ihrem größeren Durchmesser verschlossene Röhre gießen und so schnell als möglich durch Decantiren auswaschen, bis es auf salpetersaures Silber nicht im Geringsten mehr reagirt.

Ich theile hier drei Verhältnisse mit, welche bei der angegebenen Verfahrungsart sichere Resultate liefern:

Zinn. Salpetersäure. Gold. Wasser. Farbe des Products.
10 3 1 schön blau
30 10 3
30 10 3 60 violet.

Nach dem Rath des Hrn. Gay-Lussac versuchte ich, ob Gemenge von Zinnchlorür und Zinnchlorid in gewissen Verhältnissen nicht blaue Farbe liefern, wenn man in der Kälte operirt; es gelang mir auch deren zu erhalten; sie weichen aber in ihrer chemischen Zusammensezung sehr von einander ab; die Analyse dieser lezteren lieferte mir auf 100 Theile bei der Temperatur des siedenden Wassers getroknet: chemisch gebundenes Wasser 10,0 oder 32,8, Zinnoxyd 57,2.

Man wird bald sehen, daß die anderen blauen Farben mehr als zwei Mal so viel Gold enthalten.

Um die verschiedenen Nuancen zu erhalten, ist es gleichgültig, ob man die Flüssigkeiten mehr oder weniger säuert; man kann eine oder beide Flüssigkeiten mit möglichst wenig freier Säure anwenden, oder das Wasser ganz durch Salzsäure ersezen, ohne daß sich die Farbe je verändert: überschüssige Säure verzögert bloß die vollständige Bildung und Fällung des Purpurs, noch weit mehr als das Zinnchlorür und Kochsalz, so zwar, daß er mehrere Monate lang suspendirt bleiben kann, wenn man die Flüssigkeit nicht kochen läßt; da aber der Purpur, st lange er in einer Säure oder in einem Chlorür suspendirt ist, nicht ganz gebildet ist, so kann man nach Belieben, indem man die Flüssigkeit früher oder später zum Kochen erhizt, mannigfaltige Nuancenerhalten: so ein in Weinroth oder ein in Violet stechendes Purpurroth, ein lebhaftes oder mattes Violet; die Salpetersäure zeigt stets dasselbe Verhalten, wenigstens wenn man nicht mit Zusaz von Wasser operirt, erhizt und das Gold, wie ich es zur Darstellung der blauen Farbe angab, zusezt.

Das Goldchlorid hat sehr wenig Beständigkeit und das Gold