Text-Bild-Ansicht Band 51

Bild:
<< vorherige Seite

Mit einer gleichen Quantität eines sehr leicht flüssigen Flußmittels angetrieben und dann auf Glas oder Porcellan gemalt, geben sie: No. 1, 2 und 3 in diker Schichte Blau und Violet, in sehr dünner Schichte Roth; No. 4, 5 und 6 in diker oder dünner Schichte Roth, Rosenroth und ein in Violet stechendes Roth; No. 7 liefert immer Blau. Die Verfahrungsarten, welche ich zur Bereitung der verschiedenen Sorten von Goldpurpur angegeben habe, eignen sich sehr gut zur Fabrikation im Großen; denn man kann anstatt des destillirten Wassers filtrirtes Seinewasser anwenden, und die Quantitäten bei jeder Vorschrift verzehnfachen; so wandte ich für No. 3 an:

4,0 Liter Wasser,
0,1 – Goldauflösung,
0,1 – Zinnauflösung.

Ueber die Anwendung der verschiedenen Sorten von Goldpurpur.

Die Anwendung der verschiedenen Sorten von Purpur hängt so sehr von einem Zusammentreffen eigenthümlicher Umstände ab, daß ich mich hier darüber verbreiten zu müssen glaube, weil sie ganz mit meiner Ansicht über dieselben in Verbindung stehen.

Behufs des Malens auf Porcellan oder Glas werden sie zuvor mit einem sehr leichtflüssigen Flußmittel vermengt und da diese Farben übrigens in einer Muffel gebrannt werden, deren Temperatur nicht den Schmelzgrad des Goldes erreicht, oder da, selbst wenn sie weit darüber hinaus erhizt würde, die Erhaltung der gemalten Gegenstände es nöthig macht, daß der Uebergang von der Kälte zur größten Hize langsam sey, so hat das Flußmittel die nöthige Zeit, um das chemische Gemenge, welches dann höheren Temperaturen widerstehen kann, leicht zu bewirken.

Die bei dergleichen Operationen nöthigen Vorsichtsmaßregeln bestehen darin, den Staub zu vermeiden, wenn man mit Wasser oder wesentlichen Oehlen anreibt, und leztere langsam zu verstüchtigen, damit in dem Augenblike, wo das Flußmittel schmilzt, keine Spur von Kohle auf der Malerei zurükbleibt, weil sonst das Oxyd des Flußmittels reducirt und eine Legirung von Gold mit Blei gebildet würde; lezteres oxydirt sich zwar neuerdings und das Flußmittel erhält dann wieder seine Durchsichtigkeit, aber die Farbe ist verschwunden und das Gold ist nur mehr in mikroskopischen Körnern vorhanden, welche man bisweilen mit bloßem Auge bemerken kann.

Wenn der Purpur, welchen man zu Malerfarben anreibt, erst lange nach seiner Bereitung oder unvollständig ausgesüßt wurde, so hält er zu viel Zinn zurük und die Farbe ist nach dem Brennen milchig und bisweilen undurchsichtig; dieß ist dann ein wirkliches