Text-Bild-Ansicht Band 51

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Email und auch das schillernde Aussehen des carmoisinrothen Goldpurpurs ist nichts Anderes als dieselbe Veränderung des Zinnes in einem geringeren Grade.

Was für die gebrannten Farben ein Nachtheil ist, ist bei denselben Farben in der Wassermalerei etc. ein Vortheil, denn je mehr die Purpurfarben, welche gummirt werden müssen, das Zinnoxyd zurükhalten, desto wärmer ist ihr Ton und sie geben dann bei weitem mehr aus, ohne von der Tiefe ihrer Nuance zu verlieren.

Wenn man irgend einen Purpur oder Blattgold oder auch auf andere Art zertheiltes Gold mit Borax oder Bleiglas anreibt und dann sehr schnell schmilzt, so schmilzt jede dieser Substanzen gerade so als wenn sie für sich allein vorhanden wäre: der Borax schmilzt zuerst und wenn er Purpur enthält, so bleibt dieser so lange darin suspendirt, bis die Temperatur auf den Schmelzpunkt des Goldes erhöht ist; dann ist aber kein Purpur mehr vorhanden, sondern es sammeln sich kleine Goldkügelchen auf dem Boden des Tiegels. Dasselbe wird in den anderen Tiegeln geschehen. Erhizt man stärker, so färbt sich her Borax und besonders das Bleiglas und das gewöhnliche Glas zuerst gelb; wenn die Hize höher und allmählich so hoch steigt als es in einem Windofen möglich ist, so werden sie entweder bräunlich gelb, grün und bläulichgrün oder orangegelb, orangeroth und purpurroth, je nachdem die Hize mehr oder weniger schnell verstärkt wird und anhält. Man kann z.B. nach einander und bei nicht sehr hoher Temperatur, die gelbe, grüne und blaue Färbung erhalten; um die purpurrothe zu erhalten, muß man aber die Operation beträchtlich verlängern und besonders die Temperatur möglichst erhöhen. Wenn man z.B. diese Operationen in einem sehr gut ziehenden Probierofen anstellt, so erhält man immer nur Gelb, Grün und Blau; unterhält man aber in einem sehr kräftigen Windofen bei einer Quantität von ungefähr 200 Grammen wenigstens acht Stunden lang ein heftiges Feuer, so wird man Massen bekommen, die nach langsamem Erkalten farblos oder schwach gelblich sind, die man aber nur bis zum Erweichen zu erhizen braucht, damit sie eine schöne purpurrothe oder violette Farbe annehmen.

Diese Resultate erklären den Hergang im Feuer des Glasofens sehr gut: wenn man eine Masse von Krystallglas purpurroth färben will, so fängt man damit an eine gewisse Quantität des fein gestoßenen Materials mit dem anzuwendenden Purpur zu vermengen; dann macht man einige Proben im Probirofen; kommt die Masse schillerndgelb aussehend aus demselben, so schließt man, daß die Probe gut ist und füllt die Häfen; nach dem ersten Schmelzen hebt man den ganzen Häfen aus, schreit in Wasser ab und wenn man