Text-Bild-Ansicht Band 51

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die Masse untersucht, so findet man, daß sie ganz mit kleinen Goldkörnern durchsäet und topasgelb gefärbt ist; man wiederholt diese Operation vier Mal und in gewissen Fällen sogar fünf bis sechs Mal; alsdann ist die Masse gewöhnlich schön dunkelpurpurroth und enthält keine Spur von Goldkörnern mehr.

Es scheint mir hinreichend erwiesen, daß der Goldpurpur, den man anfangs in die Masse brachte, darin für sich zu kleinen Körnern schmolz und da das Gold bei der Temperatur der Glasöfen flüchtig ist, so hat bei dem ersten Schmelzen eine gewisse Menge Golddampf die Masse gelb gefärbt, bei dem öfteren Umschmelzen ist die Menge des Golddampfes dann immer größer geworden und hat sie endlich purpurroth gefärbt, gerade so wie wenn man auf nassem Wege Purpur in einer dichteren Flüssigkeit bereitet.

Ich bin von der Wahrheit dieser Erklärung so überzeugt, daß ich glaube es müßte vortheilhaft seyn zum Färben des Krystallglases Gold an Statt Purpur anzuwenden, weil man dann reinere Farben und durchsichtigere Massen erhalten kann, die sich auch ins Carminrothe oder Carmesinrothe treiben lassen, indem man ein wenig Chlorsilber oder phosphorsauren Kalk zusezt.81)

Man kann eigentlich nicht sagen, daß man, um eine Masse von Krystallglas violet zu färben das Goldviolet anwenden muß (dessen Bereitung oben angegeben wurde). Da das hydratische Violet eine größere Menge Zinnoxyd enthält, also eine geringere Menge Gold darin zertheilt ist, so bleiben diese beiden Körper in der Masse, der man sie zusezte, vertheilt, bis dieselbe geschmolzen ist, wo sich dann das Gold abscheidet und in dieser Masse vertheilt: daß Zinoxyd selbst erleidet bei dieser Temperatur eine theilweise Zersezung und reducirt sich großen Theils; da das Zinn, wie es scheint, viel feuerbeständiger als das Gold ist, so fällt es nieder und sammelt sich auf dem Boden des Tiegels zu einem König, während der nicht reducirte Theil desselben sich mit einer sehr geringen Menge der Glasmasse verbindet und ein Email bildet, das sich im Schaum sammelt oder an den Seitenwänden des Tiegels hängen bleibt. Ich glaubte zu bemerken, daß sich um so weniger metallisches Zinn ansammelt und desto mehr Email bildet, je höher die Temperatur ist, bei der man arbeitet.

Wenn man sich mit dem Färben des Krystallglases durch Gold beschäftigt, so erstaunt man oft, wie leicht die Glasmasse ihre Farbe verliert und wieder annimmt; die Resultate sind dabei so wandelbar,

81)

Hr. Douault Wieland färbt seine rubinrothen Massen nur mit Goldchlorid. A. d. O.