Text-Bild-Ansicht Band 51

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daß man bis auf den heutigen Tag noch keine verläßlichen Vorschriften festsezen konnte.

Da ich mit der größten Sorgfalt den Hergang bei diesen Operationen studirt habe, so will ich einige allgemeine Thatsachen angeben: wenn eine Glasmasse mit Golddampf gesättigt ist, ist sie undurchsichtig und meistens gelb und kann für sich allein keine andere Farbe annehmen, sondern muß, wenn sie dieselbe verändern soll, mit einer neuen Quantität farblosen Krystallglases innig zusammengeschmolzen werden: weniger gesättigt ist sie durchscheinend und zeigt immer in dünnen Schichten ein sehr sattes Blau und Violet; wenn sie noch weniger gesättigt ist, zeigt sie eine topasgelbe Farbe oder ist auch farblos, nachdem sie in einem heftigen und lange anhaltendem Feuer gereinigt wurde und dann langsam erkaltete; wird sie wieder erweicht, so nimmt sie, wenn sie farblos ist, die reichste weinrothe, wenn sie aber gelb ist, eine schöne carminrothe Farbe an. Wird z. N. ein Stük dieser farblosen Glasmasse nur bis zum Erweichen erhizt, so wird es sich roth färben; unterhält man es einige Zeit in ruhigem Fluß und läßt es dann langsam erkalten, so wird es sich neuerdings entfärben; und wenn man es wieder erweicht, so wird es eine rothe, etwas in Violet stechende Farbe annehmen; fängt man dieselben Versuche neuerdings an, so wird es sich violet, dann blau färben und endlich sich entfärben und dann keine Farbe mehr annehmen, wenn man es nicht wie das erste Mal erhizt, das heißt so, daß neuerdings Gold verflüchtigt und dasselbe in der Masse wieder vertheilt wird.

Ich erkläre mir den Hergang unter diesen Umständen folgender Maßen: wenn die Masse sehr langsam erkaltete, blieben die kleinen Goldkörner mit Krystallmasse befeuchtet; wenn die Erkaltung aber rasch erfolgte, zog sich das Gold, welches sich mehr als das Glas ausgedehnt hatte, noch nach dem Erstarren zusammen. Diese Annahme stimmt mit einer Thatsache überein, wo dieß auf eine viel offenbarere Art geschieht: ich meine nämlich die thönernen Denkmünzen, die man in eine Glasschichte bringt, und welche darin oft einen dem matten Silber ähnlichen Metallglanz annehmen. Es läßt sich auch noch die Hypothese aufstellen, daß die Goldmolecüle verschiedene Gestalten angenommen haben. Bei beiden Annahmen scheint es mir aber sicher, daß das Gold sich immer mehr aggregirt hat, und auf den Grund her Masse gelangt ist.

Uebrigens habe ich Glasmassen von allen prismatischen Farben gefärbt, indem ich entweder Purpur, Goldchlorid, Goldoxyd-Ammoniak oder metallisches Gold anwandte, oder indem ich diese Massen mit Körpern zusammensezte, die mit und auch ohne die Berührung