Text-Bild-Ansicht Band 51

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der Luft im Stande waren, Sauerstoff an das Gold abzugeben, und auch mit solchen, die dieses gar nicht konnten; alle diese Farben erhielt ich durch bloße Veränderung der Temperatur, indem ich dieselbe mehr oder weniger verstärkte und anhalten ließ.

Oft bildet sich Purpur, wenn man Gold schmilzt und stark erhizt; ich sah große Barren Feingold, die nur ein wenig Silber enthielten (wie alles im Handel vorkommende Feingold), und welche, nachdem sie bloß mit Borax geschmolzen worden waren, sich ganz mit einer rubinpurpurrothen Glätte überzogen hatten; vor langer Zeit schon habe ich dieselbe Erscheinung beim Schmelzen von Gold beobachtet, welches 75 Procent Feingehalt hatte; ich besorgte aber damals, das Kupfer möchte bei dieser Färbung, etwas beitragen.

Endlich will ich noch bemerken, daß die mit Gold erzielten verglasten Farben unter diejenigen gehören, welche, wie die Glasmacher sagen, schmieren (grissent); diese sonderbare Eigenschaft besizen viele färbende Oxyde, und sie zeigt sich jedes Mal, wenn man genöthigt ist, diese Glaser öfters durch das Feuer zu nehmen. Ich glaube nicht, daß in diesem Falle der Sauerstoff der Luft einen Einfluß hat, denn das farblose Krystallglas verändert sich nicht leicht auf diese Art; ich glaube aber, daß sich die Molecüle der Glasoberfläche verschieden gruppiren und daß, wenn sie sich öfters erneuert haben, jaspisartige Farbenspiele entstehen: so erhält man mit dem Kupfer Grün und ein sehr Helles Roth, und wenn diese Farben lange der tust und dem Feuer ausgesezt werden, erhalten sie das Ansehen der Malachite oder Agate; durch Silber färbt sich das Krystallglas sehr rein topasgelb, und wird dann undurchsichtig flekiggelb und bisweilen sogar undurchsichtig weiß; ich halte dieß für eine theilweise Entglasung.

Reines Kobalt und Chrom schmieren nicht oder sehr wenig; aber das durch Gold gefärbte Krystallglas besizt diese Eigenschaft beinahe in eben so hohem Grade, wie das mit Silber gefärbte. Man kann diesem Uebelstande dadurch begegnen, daß man möglichst schnell und heiß arbeitet.

Die Hauptergebnisse der vorhergehenden Versuche sind also:

1) Wenn man bei Bereitung der hydratischen Purpursorten mittelst Zinnchlorür gleichartige Producte erhalten will, so muß man die Chlormetalle sehr rasch vermischen. Bei dem von mir beschriebenen Verfahren ist diese Bedingung sehr leicht zu erfüllen.

2) Der Grad der Verdünnung der Flüssigkeiten hat nur bis auf eine gewisse. Gränze einen Einfluß, über welche hinaus derselbe unmerklich wird.