Text-Bild-Ansicht Band 54

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mit gelöschtem Kalke vermengt. Durch dieses Verfahren werden nämlich die Aepfelsäure und die übrigen im Zukersafte enthaltenen vegetabilischen Säuren gesättigt, und das wesentliche Oehl zum Theil zerstört. Der Kalk verbindet sich hingegen weder mit dem Extractivstoffe, noch auch mit dem Farbstoffe und dem Schleime, welche in dem Zukerrohrsafte enthalten sind. Der Zuker kann nur durch wiederholte Krystallisation bei niedriger Temperatur im Großen von den anderen damit verbundenen vegetabilischen Stoffen befreit werden. Der Kalk oder das Kalkwasser wirkt so nachtheilig auf den Zukerstoff, daß dessen Intensität zum Theil dadurch zerstört wird. Der auf diese Weise behandelte Zuker ist daher nicht so süß, als er sonst seyn würde, was jedoch nicht so sehr in Betracht kommen kann, als die Erzielung eines raschen und im Großen anwendbaren Verfahrens. Die feuerfesten Alkalien verbinden sich mit dem Zukerstoffe; allein sie zerstören dessen Süßigkeit noch vollkommener, als dieß bei dem Kalke der Fall ist, und sie sind daher weit weniger zur Behandlung der rohen Syrupe geeignet, als dieser. Wurde zu viel Kalk angewendet, so kann derselbe durch Schwefelsäure als Gyps niedergeschlagen, und die ursprüngliche Süßigkeit des Syrupes wieder hergestellt werden; allein die Schwefelsaure verkohlt auch einen Theil des Zukers, und macht denselben schwerer krystallisirbar. Die schwefelwasserstoffsauren und phosphorsauren Alkalien und alkalischen Erden zersezen den Syrup gleichfalls, und verwandeln ihn in eine schleimige Substanz.

Die größte Zerstörung des Zukers bei diesem ersten Processe wird jedoch durch das intensive Feuer, welches man unter den großen offenen Eindikpfannen anzumachen pflegt, hervorgebracht. Es entsteht hiedurch viele Kohle und brennzelige Schleimsaure, wodurch die Masse nicht nur schleimig und schwerer krystallisirbar wird, sondern auch an Intensität der Süßigkeit verliert, so daß die auf diese Weise erzeugten und granulirten Zuker von geringerem innerem Gehalte werden. Diesem Mißstände und Nachtheile kann durch keine der später nachfolgenden Operationen wieder abgeholfen werden; und die neueren Verbesserungen in der Zukerraffination beziehen sich lediglich auf Verhinderung einer weiteren Zerstörung von Zukerstoff und auf Erzeugung einer größeren Quantität krystallisirten Zukers.

Die Producte der Zersezung des Zukers bei langsamer Destillation desselben aus einer Retorte sind: Wasser, Essigsäure, Oehl, Kohle, Kohlenwasserstoffgas und brennzelige Schleimsäure, welche leztere bei weitem den größten Antheil ausmacht. Denn wenn man 480 Gran raffinirten Zuker in einer Retorte allmählich bis zum Rothglühen erhizt, so erhält man: