Text-Bild-Ansicht Band 56

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mit dem gegohrnen Wasser. Die Pflanzen waren sehr zart; die Hize verbrannte deren Blätter schnell, und bald war nichts mehr davon sichtbar, so daß der ganze Anbau in den Augen meiner Nachbarn für verloren galt. Ich verlor jedoch die Hoffnung nicht, sondern begoß meine Pflanzen am dritten Tage neuerdings mit dem gegohrnen Wasser. Nach zehn Tagen hatte ich das Vergnügen das Herz meiner Pflanzen über der Erde erscheinen zu sehen; ich begoß sie daher noch ein drittes Mal, und im Herbste, wo meine Pflanzen bereits drei Mal abgeblättert worden waren, erregten sie eine eben so allgemeine Bewunderung, als sie mir eine reichliche Ernte gaben.

Zweiter Versuch. Ich ließ auf einem Tagwerke gelber Rüden ein Beet fortwährend mit dem gegohrnen Ablaufwasser begießen. Nach dem ersten Gäten wuchsen die Pflanzen so schnell, daß deren Blätter in kurzer Zeit den ganzen Boden bedekten, daß bald alle Unkräuter dadurch verdrängt waren, und daß ich kein zweites Gäten für nöthig fand. Die Pflanzen behielten den ganzen Sommer ihr lebhaftes Wachsthum bei, und ihre Blätter zeichneten sich auch durch ihre dunkle Farbe aus. Die Ernte entsprach jedoch meinen Erwartungen nicht; denn die begossenen Rüben waren beinahe durchaus gespalten und sehr zaserig, während die übrigen, die nur auf die gewöhnliche Weise behandelt worden waren, eine entsprechende Länge und Dike erreichten.

Dritter Versuch. Ich besaß ein 15 Jahr altes, ganz erschöpftes Artischokenbeet, welches nur mehr sehr kleine Früchte gab, und welches ich im vorigen Herbst aufgeben wollte. Ich baute daher gegen Ende September runde, platte Rüben, deren Samen ich mir aus dem Elsaß kommen ließ, hinein; da diese jedoch wegen der großen Trokenheit lange nicht keimen wollten, so nahm ich meine Zuflucht zu dem gegohrnen Ablaufwasser, womit ich sie mit Hülfe eines Sprizkruges reichlich begoß. Die Rüben gingen nun sogleich auf, und wuchsen äußerst schnell zu einer seltenen Schönheit; noch mehr wunderte es mich aber, daß auch die Artischoken der günstigen Wirkung der Begießung theilhaftig wurden, und gleichsam verjüngt erschienen, indem sie noch im Spätherbste eine ansehnliche Menge schöner Früchte lieferten, und ringsum so kräftige Schößlinge trieben, daß ich mein Beet nunmehr noch längere Zeit mit Vortheil beizubehalten im Stande bin.

Vierter Versuch. Zwei Mandelbäume, welche vor zwei Jahren verpflanzt worden waren, nachdem sie bereits eine bedeutende Größe erreicht hatten, befanden sich in einem so schwächlichen Zustande, daß mir wenig Hoffnung blieb, sie zu erhalten. Da ich jedoch im Frühjahre darauf noch einiges Leben daran bemerkte, so