Text-Bild-Ansicht Band 56

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unter den Bohnen, die ich nach der Reife ausreißen ließ, eine sehr große Menge Reps befand, den ich als Winterfutter verwenden zu können glaubte, so entsagte ich meinem Plane in dieses Feld Roggen zu bauen. Der Erfolg war auch ganz ausgezeichnet; kaum waren die Bohnen ausgerissen, und kaum konnte die Luft frei zwischen den Repspflanzen circuliren, so schossen diese 3 bis 4 Fuß hoch in die Höhe, und erzeugten ungeheure Triebe, welche an den äußersten Enden in Blüthen übergingen. Ich verfütterte dieses üppige Kraut im Herbste an meine Kühe; die Wurzelstöke ließ ich aber im Boden, und diese werde ich des Versuches wegen im heurigen Frühjahre abermals mit dem Ablaufwasser aus meiner Fabrik begießen.

Aus allen diesen Versuchen und Beobachtungen ergibt sich nun, daß die düngende Kraft der Ablaufwasser der Starkmehlfabriken, sie mögen in frischem oder gegohrnem Zustande Angewendet werden, eine bedeutende Düngkraft besizen. In ersterem Falle scheinen sie eine unmittelbare und äußerst kräftige, reizende Wirkung zu haben, so zwar, daß gerade hiedurch zu fürchten wäre, daß durch ihre wiederholte Anwendung der Humus des Bodens erschöpft werden, und der Boden selbst also an Güte verlieren könnte; im zweiten Falle hingegen ist dieß nicht zu fürchten: denn die durch die Gährung zersezten Flüssigkeiten enthalten selbst wieder eine beträchtliche Menge Humus, so daß sie also nicht nur reizend auf den Boden wirken, sondern ihm zugleich auch wieder geben, was ihm durch die größere Thätigkeit entzogen wurde. Uebrigens scheint die Wirkung dieser Wasser den Pflanzen mit Pfahlwurzeln oder mit knolligen Wurzeln nicht so sehr zuzusagen, als jenen Gewächsen, bei denen die Entwikelung mehr nach Oben zu Statt findet; wenigstens habe ich, was die ersteren betrifft, noch die gehörige Anwendungsweise dieses Düngers nicht ermittelt. Weitere Versuche werden mir, wie ich hoffe, auch hierüber Aufschluß geben.

Da mir die Getreideernte in den beiden lezten Jahren nur wenig Stroh gab, so unternahm ich, um nicht in Düngermangel zu gerathen, auch noch einen anderen Versuch. Ich ließ nämlich Erde in den Behälter, in welchem sich das Ablaufwasser sammelte, schaffen, und dieses Gemenge bis zum Anbaue des Getreides gähren. Es wurde dann mit Schaufeln herausgenommen, wobei es schwarz und fett wie gegohrner Dünger aussah, und einen unerträglichen Geruch verbreitete, und auf die Felder geschafft und eingepflügt. Ich widmete diesem Versuche vier Tagwerke Landes, wovon zwei seit drei Jahren mit Mergel behandelt wurden. Die Resultate dieses Versuches werde ich seiner Zeit bekannt machen.

Nach der Wirkung, welche die Kälte auf dieses Gemenge hatte,