Text-Bild-Ansicht Band 44

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immer keinen tauglichen und allen Anforderungen entsprechenden Anemometer, d.h. ein Instrument, mit welchem sich die Stärke des Windes messen läßt, besizen; der Mangel eines solchen Instrumentes ist leider nur zu fühlbar.“ Ich wüßte nicht, daß seither diesem Bedürfnisse abgeholfen worden wäre; und berüksichtigt man, welche ausgezeichnete Männer sich bereits damit beschäftigten, ein derlei leicht anwendbares, genaues und empfindliches Instrument ausfindig zu machen, so muß man mit Recht schließen, daß der Ausführung eines solchen bedeutende Hindernisse im Wege liegen. Obwohl ich nun nichts weniger, als der Meinung bin, daß ich alle diese Hindernisse und Schwierigkeiten überwunden habe, so glaube ich denn doch, daß das Instrument, welches ich hier beschreiben will, vor allen bisher bekannt gemachten Anemometern bedeutende Vorzüge hat.

Bevor ich zur Beschreibung meines Instrumentes übergehe, will ich nur noch bemerken, daß alle Anemometer, die mir bekannt geworden, entweder auf der Abweichung eines Pendelgewichtes oder eines fallenden Körpers von der senkrechten Linie, oder auf dem Unterschiede der Höhe zweier Säulen einer Flüssigkeit in einem umgekehrten Heber beruhen. Zu den Instrumenten der lezten Art gehört das Differential-Barometer des unsterblichen Wollaston, der alle anderen Instrumente dieser Art an Genauigkeit übertrifft, und gegen das sich nichts einwenden läßt, als daß er in vielen Fällen nicht leicht in Anwendung gebracht werden kann.

Mein Instrument beruht auf der Abweichung eines Pendelgewichtes. Man denke sich zwei Stüke, welche ich die Stäbe nennen will, und die den beiden Linealen eines Parallellineales ähnlich, und auch auf eine ähnliche Weise durch zwei Gelenke mit einander verbunden sind. Diese Gelenke verfertige man so, daß sie beinahe ohne alle Reibung spielen. Werden nun diese beiden Stäbe in Berührung mit einander so gestellt, daß die Fläche der Gelenke gegen den Horizont senkrecht ist, so wird das Gewicht des unteren Stabes denselben offenbar veranlassen, sich von dem oberen Stabe zu entfernen, so daß die Gelenke senkrecht gegen den Horizont zu stehen kommen. An dem einen Ende des unteren Stabes, und zwar an jenem, welches dem Winde ausgesezt wird, befestige man senkrecht mit dem Stabe eine Fläche von einer bestimmten gegebenen Größe. Wenn das Instrument gebraucht werden soll, so stelle man diese Fläche senkrecht gegen den Wind, und befestige den oberen Stab in seiner Stellung; dann bringe man die beiden Stäbe in die größte Entfernung von einander, so daß folglich die Gelenke mit den Stäben rechte Winkel bilden und senkrecht gegen den Horizont stehen. Der Wind wirkt als eine Kraft auf die Fläche, und zwingt dieselbe zurükzuweichen;