Text-Bild-Ansicht Band 43

Bild:
<< vorherige Seite

3) In Dr. Church's Maschinen wird unstreitig eine bedeutende Kraft in einen sehr kleinen Raum concentrirt, und dieß vermindert einiger Maßen unsern Skepticismus, hebt ihn aber keineswegs ganz; und wir werden in unsern Zweifeln an der Anwendbarkeit von Dampfwagen auf gewöhnlichen Straßen so lange beharren, bis wir einen solchen Wagen einen Weg von hundert aufeinander folgenden Meilen mit einer leidlich gleichförmigen Geschwindigkeit, und ohne nach jedem Zwischenraume von wenigen Minuten anzuhalten, um frischen Vorrath (von Wasser und Kohlen) einzunehmen,4)) zurüklegen sehen.

Wir haben gehört, daß an einer Dampfmaschine von 50 Pferdekräften von der Bauart des Dr. Church kein Theil der Maschine und des Kessels mehr als 200 Pfund wiegen soll, und daß jeder einzelne Theil wieder leicht zerlegt, auf den Rüken von Maulthieren transportirt, und an jeder Stelle sogleich, und ohne eine andere Stüze als sein eigenes Gestelle, wieder zusammen und in Gang gesezt werden kann. Es ist Schade, daß diese sinnreiche Modification im Baue der Dampfmaschinen nicht fünf oder sechs Jahre früher bekannt worden ist, da so ungeheure Summen auf die Bergwerke von Südamerika verschwendet wurden, aus welchen die Grubenwasser leicht hätten gewältigt werden können, und welche mit dem dort gewöhnlich sehr geringen Vorrath von Brennmaterial in beständigem Betriebe zu erhalten wären.5)

Für Destillirer und westindische Pflanzer wird, wie wir glauben, diese neue Methode von Abdampfung von unschäzbarem Werthe seyn, indem sie hiedurch in Stand gesezt werden, geistige Flüssigkeiten von jedem Grade von Stärke und Reinheit durch eine einzige Operation mit einem weit geringeren Aufwande von Brennmaterial, ohne die Möglichkeit eines Fehlbrandes, und ohne Gefahr vor den verschiedenen Unfällen zu erhalten, welchen die gewöhnlichen Destillations- und Rectificationsapparate ausgesezt sind.

3)

gezogen sind. Die Wege leiden weniger dadurch, da diese Wagen ein breiteres Geleise zulassen und keine Pferdetritte die Wege verderben.“ A. d. R.)

4)

Oder eine Flikerei oder Reparation an dem durch die unvermeidlichen heftigen Erschütterungen und Stöße beschädigten Maschinenwerk vornehmen zu müssen! – A. d. Ue.

5)

In den Jahren 1814–1816 lieferte Capitän Richard Trevithick aus Cornwall, welcher 1802 das erste Patent auf Dampfmaschinen mit hohem Druke erhalten hatte, neun solche Maschinen für die accordirte Summe von 10,000 Pfd. Sterl. nach Südamerika, welche unter seiner eigenen Aufsicht an den reichen Silberbergwerken in dem peruvianischen Districte Pasco aufgestellt wurden, um die Wasser aus den dortigen ersäuften und daher verlassenen Gruben zu gewältigen. Da aber zwischen Lima und jenem Districte keine fahrbaren Wege existiren, so mußten diese Maschinen in Stüke zerlegt, und auf Maulthiere gepakt, mit unsäglicher Mühe über die höchsten Gebirge geschleppt werden. S. A descriptive History of the Steam Engine by Robert Stuart. London 1824. S. 182–189. A. d. Ue.