Text-Bild-Ansicht Band 13

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man aber kochsalzsaure Pottasche zusezt, fällt diese neue Substanz in einer ungemein schönen röthlichen Purpurfarbe nieder, die der Farbe der Indigo-Dämpfe genau ähnlich ist. Diesen Niederschlag bringt man auf ein Filtrum, und wascht ihn solang mit destillirtem Wasser aus, bis die durchlaufende Flüssigkeit nicht mehr einen weißlichen, sondern einen rochen Niederschlag mit salpetersaurem Silber gibt. Dann kann man ihn troknen.

Wenn man, statt mit kochsalzsaurer Pottasche zu fallen, die blaue Flüssigkeit, welche durch das Filtrum läuft, nachdem alle Schwefelsäure weggewaschen wurde, sie aber noch immer tief blau ist, sammelt, und bis zur Trokenheit abraucht, so erhält man diese neue Substanz nicht purpurfarben, sondern blau, wie Cärulin; und fände sich hier nicht die Schwierigkeit, die Schwefelsäure gänzlich zu beseitigen, so wäre diese Bereitungs-Methode derselben die beßte. Man kann sie wirklich auf keine andere Weise frei von salzigen Stoffen erhalten.

Wegen der Eigenschaft, die diese Substanz besizt, durch Zusaz eines Salzes purpurfarben zu werden, nannte ich sie Phönicin,45) von dem griechischen Worte φοινιε; und, um Umschreibungen zu ersparen, werde ich mich in der Folge dieses Ausdrukes bedienen.

Diese Substanz ist, mit kochsalzsaurer Pottasche bereitet, im trokenen Zustande von braun schwarzer Farbe. In einem Tiegel gehizt läßt sie etwas Indig-Dampf fahren. Es war Anfangs ungewiß, ob dieß nicht vom Indig herrühren möchte, der durch Zersezung eines Theiles des Phönicin durch die Hize entstand; allein ich werde eine Thatsache anführen, die beweist, daß der Indig eine andere Quelle haben und in geringer Menge in der Purpur-Substanz vorhanden seyn kann. Nachdem das Filtrum solang gewaschen wurde, bis die Absüß-Wasser nur mehr sehr blaß blau gefärbt sind, wird die durchlaufende Flüssigkeit von der kohlensauren Pottasche blau, statt roth, niedergeschlagen, und der Niederschlag besteht aus Indig mit etwas

45)

Engländer mußte der Hr. Verfasser Phenicin schreiben. A. d. Ueb.