Text-Bild-Ansicht Band 9

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jedoch in seiner Abhandlung, daß nicht bloß Knochen-Kohle, sondern jede andere aus irgend einem thierischen Theile durch Calcination in einem verschlossenen Gefäße erhaltene Kohle, ja sogar feste Gallerte, dieselben Eigenschaften besäße, und glaubte hieraus erweisen zu können, daß Phosphor und kohlensaurer Kalk durchaus keinen Einfluß auf die Entfärbung hätten. Man sah sehr bald ein, daß Hr. Figuier in dieser lezteren Hinsicht sich irrte, und man überzeugte sich durch Erfahrung, daß Eiweißstoff, Gallerte und überhaupt alle welchen thierischen Substanzen keine kräftig entfärbende Kohle liefern. Man hätte glauben können, daß die Entfärbung von einer Art von Verbindung, die in der Beinschwärze zwischen dem Kohlenstoffe und den erdigen Salzen Statt haben möchte, herrührte, wenn Hr. Figuier nicht gezeigt hätte, daß Knochenkohle, durch Kochsalzsaure von allem phosphorsauren und kohlensauren Kalke gereinigt, das kräftigste Entfärbungsmittel ist.

Die vielen Beobachtungen, die man über diesen Punkt anstellte, verwikelten indessen die Aufgabe mehr, als sie dieselbe lösten, und während die Thatsachen sich vervielfältigten, verdunkelte sich die Theorie. Dieselben weichen thierischen Substanzen, die, für sich allem calcinirt, eine so wenig entfärbende Kohle gaben, lieferten eine in dieser Hinsicht ganz vortreffliche Kohle, wenn man sie mit feuerbeständigem Alkali calcinirte: so ist z.B. die mit Pottasche calcinirte Blutkohle der Berlinerblau-Fabriken in dieser Hinsicht besser als jede andere.

Da die Zuker-Raffinerien immer mehr und mehr thierische Kohle brauchten, und die bereits einmal zur Entfärbung angewendete thierische Kohle ihre entfärbende Kraft verlor, so suchte man diese leztere, leider ohne Erfolg, durch Waschen und Calciniren wieder herzustellen. Dieses bisherige Mißlingen veranlaßte die Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale zu wiederholten Preisen.

In Erwägung, daß man noch nicht wußte; wie die Kohle wirkt; ob sie sich mit den Färbestoffen verbindet, ohne sich oder sie zu verändern, und wie sie sich dann verbindet; warum die thierische Kohle stärker entfärbt, als, die Pflanzen-Kohle; warum die thierische Kohle von festen Theilen in dieser Hinsicht kräftiger ist, als die von weichen, und warum zugeseztes feuerfestes Alkali die Kohle von den lezteren stärker entfärbend macht, als die stärkste der ersteren; ob bei der thierischen Kohle während der Entfärbung, Stikstoff eingesogen oder entbunden wird; wie der kohlen- und phosphorsaure Kalk, und die Schwefelverbindungen in der