Text-Bild-Ansicht Band 9

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man eine neutrale Indigo-Auflösung, in welcher man den Indigo-Gehalt leicht durch Chlor bestimmen kann, denn man weiß aus Welter's sehr genauen Versuchen, daß 100 Gewicht-Theile Chlor 226 Theile Indigo zerstören. Wenn man nun eine Chlor-Auflösung von bekanntem Verhältnisse nimmt, und die Menge dieser Indigo-Auflösung bestimmt, die ein bekannter Theil der Chlor-Auflösung zersezt, so darf man nur das Gewicht des in dieser Auflösung enthaltenen Chlores suchen, um darnach, im Verhältnisse von 100 : 226 die Menge des in der Auflösung enthaltenen Indigo zu finden. Die Auflösung des Hrn. Büssy enthielt, nach dieser Weise bestimmt 1/1000 Indigo.

Um die entfärbende Kraft einer Kohle mit dies Auflösung zu prüfen, gießt er einen Theil davon in eine Phiole, bringt sie mit einer bekannten Menge dieser Kohle in Verbindung, erhizt sie mäßig, und sezt so lange von der Indigo-Auflösung zu, bis die Kohle nichts mehr entfärbt.

Um unter den verschiedenen in der Kohle enthaltenen Substanzen diejenigen zu finden, welche am kräftigsten bei der Entfärbung mitwirken, verkohlte er, in geschlossenen Gefäßen bei einem hinlänglich starken Feuer, um alles gasartige auszutreiben, Kohle, Starkmehl, Gallerte, Gummi, Blut, Steinkohle; alle diese Kohlen waren mehr oder weniger hart, zerreiblich, glänzend, und entfärbten die Prüfungs-Flüßigkeit (d.i. obige Indigo-Auflösung) nicht merklich. Er untersuchte hierauf die sogenannte Knochenschwärze, d.h. den Rükstand der verkohlten Knochen bei Zuker-Raffinerien, und vorzüglich die Kohle, die man in Berlinerblau-Fabriken aus thierischen Substanzen mit Pottasche bereitet. Um leztere zu erhalten, nahm er getroknetes Ochsenblut, und verkohlte dasselbe mit zweimal so viel (dem Gewichte nach) Pottasche etwas unter der Braunroth-Hize. Er erhielt hieraus eine leichte schwammige Masse, welche, zur Beseitigung alles Auflösbaren in siedendem Wasser hinlänglich gewaschen, eine matt schwarze Kohle zurük ließ, die außerordentlich leicht und schwammig war, und deren entfärbende Kraft, mit Beinschwärze verglichen, sich wie 40: 1 verhielt. Erstaunt über diese Erscheinung, wollte er sehen, ob die Kohle nicht in eine neue Verbindung trat, und ob sie nicht vielleicht einem fremden Körper, der Pottasche, zuzuschreiben wäre. Er wusch in dieser Hinsicht, so gut wie möglich, die Kohle mit siedend heißem Wasser, und entzog ihr dadurch das blausaure Eisenkali, das geschwefelte und kohlensaure Kali etc., und behandelte den Rükstand noch mit Salzsäure, die, während der Zersezung von etwas Schwefel-Eisen, aufbrauste.