Text-Bild-Ansicht Band 9

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enthält. Wenn man diese Kohle mit Kochsalzsäure behandelt, so laßt sie einen Rükstand von ungefähr 12 p. Cent., der ein Gemenge von stickstoffhaltiger Kohle, Silicium und gekohlstofftes Eisen ist, so daß die reine Kohle kaum ein Zehntel der ursprünglichen Kohle beträgt. Es sollte demnach scheinen, daß, da die entfärbende Kraft der Kohle selbst eigen ist, die entfärbende Kraft der auf diese Weise gereinigten Kohle 10 mal stärker seyn müßte, als die der rohen Kohle: dieß ist aber durchaus nicht der Fall. Die entfärbende Kraft der gereinigten Kohle ist nur 1, 5, während die der rohen Kohle 1 ist. Um diese Anomalie zu erklären, muß man bedenken, daß, wenn die Kohle eine Auflösung entfärbt, der Färbestoff sich auf ihre Oberfläche niederschlägt, folglich die Entfärbung desto größer seyn wird, je größer die Oberfläche ist: gerade so, wie man feine und grobe Wolle färbt: man wird mehr Färbestoff zur ersteren, als zur lezteren nöthig haben. Wenn man daher Knochen-Kohle mit Kochsalzsäure behandelt, muß die entfärbende Kraft derselben in dem Verhältniße vermehrt werden, als viele fremdartige Körper derselben dadurch entzogen werden, aber auch in demselben Verhältniße vermindert werden, als die Oberfläche der Kohle an Umfang verliert. Das Verhältniß dieser beiden Umstände bestimmt also die Vermehrung oder Verminderung ihrer entfärbenden Kraft.

Unter allen den mit der Kohle verbundenen Körpern entfärbt, außer dem geschwefelten Wasserstoffgase, keines. Dieser wirkt auf den Indigo dadurch, daß er demselben den Sauerstoff entzieht. Er entfärbt auch Cochenille und Campeche-Holz Absud, nicht aber die Melasse. Wenn matt daher bemerkt, daß der Syrup sich desto besser entfärbt, je mehr geschwefeltes Wasserstoff-Gas sich entwikelt, so hängt diese Erscheinung vielleicht nicht so sehr von der Gegenwart des geschwefelten Wasserstoffgases selbst, als von einigen Umständen bei der Calcinirung oder bei dem Klären ah, welche die Entwicklung dieses Gases begünstigen, wie z.B. von einem hinlänglichen Grade von Hize, um die schwefelsauren Verbindungen, die in den thierischen Stoffen enthalten sind, oder vielleicht eine in dem Syrupe enthaltene Säure zu zersezen: denn in diesem Falle entfärbt sich der Syrup viel besser.

Hr. Büssy versuchte die Knochenkohle künstlich nachzuahmen, und nahm in dieser Hinsicht weiß calcinirte mit Oel durchdrungene Knochen. Allein, da dieser phosphorsaure Kalk nicht porös genug war, konnte er nicht genug Oel aufnehmen, und das wenige, was er davon aufnahm, verflüchtete sich bei der Hize. Er nahm hierauf phosphorsauren