Text-Bild-Ansicht Band 9

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Fällen die Farbe abwechselnd zum Vorscheine kommen und verschwinden lassen kann.

XXVIII. Ueber die thierische Kohle überhaupt, und deren vortheilhafteste Anwendung in den Zuker-Raffinerien. Von Hrn. Payen, Salmiak-Fabrikanten44).

Herr Guillon war der Erste, der Holz-Kohle zur Raffinirung des Rohzukers anwendete, und dadurch sich einen weit ausgebreiteten Absaz seines schönen und schmakhaften Syrupes verschaffte, der alle anderen Syrupe, und selbst den Rohzuker, während der Theuerung der Colonial-Artikel, wo raffinirter Zuker so hoch zu stehen kam, verdrängte. Herr Payen glaubte, das Caput mortum bei seiner Salmiak-Fabrike, das thierische Kohle war, eben so gut benüzen zu können, als Herr Guillon seine vegetabilische Schwärze (noir vègétal). Er ließ einige Zentner davon pülvern, und schikte sie in die kaiserliche Runkelrüben-Fabrik zu Rambouillet zum Versuche. Man erklärte die thierische Kohle nicht bloß für unbrauchbar, sondern sogar für schädlich. Erst zwei Jahre später überzeugte sich Hr. Durosne, daß thierische Kohle weit besser entfärbt, als Pflanzen-Kohle, theilte seine Beobachtungen Hrn. Payen mit, und wandte fortan, vereint mit Hrn. Pluvinet, die thierische Kohle sowohl bei Bereitung des Runkelrüben-Zukers als bei Raffinirung des westindischen Zukers an.

Man hatte mit zahllosen Schwierigkeiten bei Einführung tiefer neuen Methode zu kämpfen, bis es endlich gelang alle Hindernisse, welche Vorurtheile, Herkommen, und Schlendrian derselben entgegen thürmten, zu besiegen. Hr. Payen vereinfachte und vervollkommnete diese Methode immer mehr und mehr, und bald reichte die Menge Schlachtviehes von Paris nicht mehr für den Bedarf zweier Knochen-Kohlen Fabriken in den Ebenen von Grenelle und Clichy hin. Herr Payen mußte in Orleans ähnliche Anstalten errichten, und

44)

Diese Abhandlung erhielt den zweiten Preis von der Société de Pharmacie. Wir liefern sie hier im Auszuge übersezt.