Text-Bild-Ansicht Band 9

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Rouen, Lille, Bordeaux, Nantes holten sich Knochen-Kohle aus Paris.

Die Vortheile der Anwendung der thierischen Kohle bei den Zuker-Raffinerien mußten demnach sehr auffallend gewesen seyn, weil sich der Gebrauch derselben mit solcher Schnelligkeit allgemein verbreitete. Man erhielt nicht nur eine Krystallisation mehr aus dem Syrupe, als man nach der älteren Methode erhielt, und dadurch wenigstens 10 p. C. mehr Gewinn, sondern auch schöneren Raffinade- und Lumpen-Zuker, schönere Vergeoises, Melasse etc., und es war kein Wunder, daß jezt die Gelehrten anfingen, über die Wirkung der thierischen Kohle allerlei Hypothesen zu schmieden.

Durch mehr als 500 verschiedene Versuche über Erzeugung der zur Entfärbung brauchbarsten thierischen Kohle überzeugte sich Hr. Payen, daß die am längsten calcinirte und am feinsten gepülverte Kohle, alles Uebrige gleich gesezt, zu diesem Zweke die beßte ist. Gas kann also nicht die Ursache der entfärbenden Kraft der Kohle seyn.

„Wenn man“ sagt Hr. Payen, „glaubt, daß die fremdartigen Körper in der Knochen-Kohle, die Gasarten, die Eisen- und Braunstein-Oxide, die Schwefelverbindungen, die hydrothionsauren Verbindungen, das Kochsalz, das Ammonium etc. einzeln oder zu zwei und zwei etc. verbunden, die Entfärbung veranlassen, so bitte ich mir zu sagen, was aus diesen Körpern wird, wenn man die Knochen-Kohle auf folgende Weise behandelt:“ 45) „Ich nahm 50 Kilogramme wenig gebrannte (pen cuit) Knochenschwärze, die ein Raffineur für nicht gewöhnlich entfärbend erklärte, und bereitete mir eine hinlängliche Menge gefärbter oder gebräunter Rohzuker-Flüßigkeit zu einer Reihe von vergleichenden Versuchen.“

„Zuerst wandte ich die wenig gebrannte Knochenschwarze an. Sie entwikelte Schwefelleber-Geruch, und entfärbte die Flüßigkeit merklich. Da ich die bereitete gefärbte Probe-Flüßigkeit A nannte, bezeichnete ich die jezt mit dieser Knothenschwärze

45)

Hr. Payen versuchte auf Rohzuker-Auflösungen hydrochlorsaure, schwefelsaure, hydrothionsaure Verbindungen, Alkalien und alkalische Schwefellebern, Bittererde, Thonerde, Kieselerde, Kalk, kohlensauren Kalk etc. Alle diese Körper erhöhten entweder die Intensität der Farbe, und störten den krystallisirbaren Zuker, oder sie brachten gar keine Wirkung hervor: nur die Thonerde allem schlug den Farbestoff und den Extractiv-Stoff nieder; jedoch viel weniger als die Kohle. Keiner dieser Körper kann also an und für sich auf eine merkliche Weise zur Entfärbung der Syrupe beitragen.