Text-Bild-Ansicht Band 9

Bild:
<< vorherige Seite

als die Pflanzen-Kohle47). Hr. Payen glaubt demnach, daß alles, was in der thierischen Kohle nicht Kohlenstoff ist, entweder bei der Entfärbung nichts nüzt, oder sogar schadet: höchstens, meint er, könnten die in derselben befindliche dazu dienen, die Oberfläche der Kohle zu vergrößern, und die Molekeln derselben von einander zu rüken, so daß sie freier auf den Färbestoff wirken können. Dieß ist z.B. der Fall mit dem, an und für sich beinahe durchaus kraftlosen, phosphorsauren Kalke: entzieht man denselben mittelst der Hydros-Chlorsäure einer thierischen Kohle, so wird diese im reinen Zustande nicht mehr in dem Verhältniße ihres vorigen Gewichtes wirken. Es handelt sich also hier nicht bloß um eine einfache Theilung (denn Kienruß entfärbt kaum merklich besser als Holzkohle), sondern um Isolirung der Molekeln, die nöthig ist, wenn der Kohlenstoff mit der möglich stärksten Kraft auf den Färbestoff wirken soll. Ammonium und basischer kohlensaurer Kalk, die in der thierischen Kohle enthalten sind, können höchstens dazu dienen, die in dem Zuker vorhandene Säure zu neutralisiren, und den Extractivstoff leichter sich niederschlagen zu lassen.

Zwei ganz neuerlich angestellte Versuche scheinen Hrn. Payen seine Ansichten zu bestätigen. Er nahm eine Kohle die man aus brenzeliger Holzsaurer-Soda (im Großen geröstet, um sie von dem Theere zu befreien, in dem man einen Theil verflüchtigt, den anderen verkohlt) erhalten hat. Mehrerer Waschungen ungeachtet enthielt diese Kohle noch immer essigsaure Soda. Er calcinirte sie in einem geschlossenen Tiegel bei der Kirschroth-Glühhize, wusch sie hierauf reichlich, so daß alle durch Zersezung der Essigsäure während der Hize frei gewordene Soda entfernt wurde, calcinirte sie wieder ganz leicht, und rieb sie in einem Mörser. Dieses Kohlen-Pulver

47)

Hr. Payen will uns einen Entfärbungs-Messer (Décolorimetrè) mittheilen, mit welchem man die entfärbende Kraft genau messen kann. Die Einrichtung desselben beruht auf dem Grundsaze, daß die Intensität, der gefärbten Schichten sich umgekehrt, wie ihre Dichtigkeit verhält; wenn man daher irgend einen Ton der Farbe derselbe als Einheit annimmt, so erhält man alle mögliche Verhältniße dieses Tones zu anderen, alle Vielfache desselben etc. es bedarf hiezu weiter nichts, als genau die senkrechte Höhe zwischen zwei durchscheinenden Flächen zu messen, welche die gefärbte Flüßigkeit einschießen, die, durch Erweiterung oder Verengerung des Raumes zwischen diesen beiden Flächen, auf die Einheit des Tones zurükgeführt würde. Pluvinet meinte, daß, um für ewige Zeiten eine Farbe zu erhalten, die als Vergleichungs-Punkt diente, man eine Platinna Auflösung von gegebenem Verhältniße anwenden könnte.