Text-Bild-Ansicht Band 3

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Sind die Gährkeller gut eingerichtet und ist sonst alles in Ordnung, so geht der ganze Untergährungs-Prozeß in vier, höchstens in fünf Tagen vorüber. Er erfordert eine Temperatur von 10–11 Grad Reaumur. Schon daraus ist zu ersehen, daß die Jage des Gährkellers in einem Bräuhause nichts gleichgültiges ist; denn nur unter gewissen Umständen kann demselben die gehörige Temperatur gegeben werden. Ist das Bier in den Bottichen abgeklärt, so kommt es in die Fässer, und hier entsteht abermals eine, wiewohl unmerkliche Gährung. Das Lagerbier kommt sogleich in die Sommerkeller, wo es bis zur Zeit des Ausschenkens oder des Abgebens an die Wirthe aufbewahrt wird. Kann man im Gährkeller die gehörige Temperatur nicht mehr haben, und wird die Witterung zu warm, so läßt sich kein Lagerbier mehr bereiten23). Die Bierbrauer berechnen bei jedem

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Nur auf der obern Gähr ist es möglich das ganze Jahr hindurch Bier zu bräuen. Es ist aber erwiesen, daß auf der obern Gähr kein so nahrhaftes, reines Bier erhalten werde, wie auf der untern, und daher wird die leztere Bräumethode immer den Vorzug behalten. Herr Serviere sagt in seinem Werke über Bierbräuerei, daß seine Methode den Vortheil gewähre, das ganze Jahr hindurch im Sommer und Winter, ein Bier zu bräuen, welches spätestens in 8 Tagen trinkbar ist, und ohne Faß und Keller mit einer Ersparniß von mehr als 30 proCent erhalten, und dem Abnehmer in brauchbaren Zustand geliefert werden könne. Zur Ersparung der Fässer schlägt er kupferne Erhaltungs-Zylinder vor, welche in Eißgruben stehen und um mit Eiß umgeben seyn sollen. Wird sich aber im Sommer dieses Bier mehrere Stunden weit zu den Zapfenwirthen verfahren lassen? Wird es nicht, sobald es aus dem Eiskeller kommt und wieder der atmosphärischen Luft ausgesezt ist, schlechter und sauer werden? Das Augsburger Bier wird 10 bis 15 Stunden weit gefahren, und doch bleibt es glänzend hell und vollkommen gut. Dies ist wohl ein Beweiß von der eigenthümlichen Güte des Biers.