Text-Bild-Ansicht Band 3

Bild:
<< vorherige Seite

wird Luft und Darr-Malz (pale et brown malt) genommen. In einigen Bräuereien wird jedes dieser Malze besonders gemischt, und die Würze beider wird später erst zusammengemischt. Beinahe jeder Bräuer hat seine eigenen Verhältnisse, nach welchen er diese beiden Sorten von Malz mengt. Im Durchschnitte werden drei Pfund Hopfen auf ein Faß oder 36 Gallone143) Porter genommen. Die Londner Bräuer fanden bei den hohen Gersten-Preisen, daß Luft-Malz eine größere Menge Würze von gleicher Stärke gibt, als Darrmalz: dieß gab aber bleicheres und minder bitteres Bier. Diesem Uebel abzuhelfen, erfanden sie einen künstlichen Färbestoff; sie kochten nähmlich braunen Zucker so lang, bis dieser eine sehr dunkle Farbe erhielt, und eine Auflösung desselben mußte dann zur Färbung des Porter dienen. Auch Quassia und Wermuth 144) wurde von betrügerischen Bräuern gebraucht, um den bitteren Geschmack zu ersezen. Ein Gesez vom Jul. 1817 verbiethet den Gebrauch von gebranntem Zucker, und will nur Malz und Hopfen als Bestandtheile des Bieres: auch der Gebrauch der Hausenblase (icingglass) zur Klärung wird im Geseze nicht erlaubt.

Einige Herren ließen sich jezt Patente auf das Bierfärben mittelst eigens bereiteten braunen Malzes ertheilen, das damit gefärbte Bier schlägt aber leichter um; das Färbe-Malz enthält keinen Zuckerstoff; die darinn enthaltene gummiartige Materie gibt zu viel Ferment, und Geneigtheit zum Uebergange in saure Gährung.

143)

Ein Gallon ist 3,264 Wiener Maß (in Decimalen). A. e. Lesers.

144)

Diesen künstlich pikanten Bier-Geschmack kann man auch in Deutschland, vielleicht noch in höherem Grade finden; doch würde man bei der ungescheuten Praxis eine solche Geschmacks-Verbesserung schwerlich in eine deutsche Abhandlung über Getränk-Verfälschungen aufnehmen. Uebers.