Text-Bild-Ansicht Band 1

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Medizinen von großer Wirksamkeit bereiten, und ihren teuflischen Handel bis zu einer schwindelnden Höhe treiben. Die Menge der so verfälschten medizinischen Präparate übersteigt allen Glauben. Wohlfeilheit, nicht Echtheit und Vortrefflichkeit, ist bei den gewissenlosern Verkäufern der Apothekerwaaren und Medizinen das, was sie suchen.

Wer mit der Chemie vertraut ist, kann sich vom Dasein des Betruges leicht überzeugen, wenn er Hirschhorngeist, Magnesia, kalcinirte Magnesia, Calomel oder andere gewöhnliche chemische Präparate einer chemischen Untersuchung unterwirft.

Hirschhorngeist wird nachgemacht, indem man äzenden Salmiakgeist (caustic ammonia) mit destillirten Hirschhorngeist vermischt, um den stechenden Geruch zu erhöhen, und zugleich dadurch möglich zu machen, daß er einen Wasserzuguß ertragen kann.

Thut man Weingeist zu dem verfälschten Spiritus, so entdeckt sich der Betrug sogleich; denn wenn keine bedeutende Gerinnung erfolgt, so ist die Fälschung erwiesen.

Dies ist auch der Fall, wenn der mit Salz oder Salpetersäure gemischte Hirschhorngeist nicht schnell aufbrauset.

Die Magnesia enthält gewöhnlich eine Art Kalk; er entstand dadurch, daß bei ihrer Bereitung statt weichen Wassers hartes gebraucht wurde.

Um sich über die Reinheit der Magnesia Gewißheit zu verschaffen, darf man nur zu einer Portion derselben etwas Schwefelsäure thun, welche mit zehnmal soviel Wasser verdünnt wird. Löst sich die Magnesia vollständig auf, und bleibt die Auflösung durchsichtig, dann kann man sie rein nennen, sonst aber nicht. – Oder man löse einen Theil Magnesia in Salzsaure auf, und füge eine Auflösung von basischen kohlensauren Ammonium hinzu; ist Kalk vorhanden,