Text-Bild-Ansicht Band 76

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Verbesserung an den Dampfschiffen.

Die HHrn. Page und Grandham ließen kürzlich ein neues, dem Lord F. Egerton angehöriges, eisernes Dampfschiff, die Alice genannt, von 170 Tonnen Ladung vom Stapel. Dasselbe geht mit seiner ganzen Ausrüstung 4 Fuß 6 Zoll tief im Wasser, und trägt zwei von den HHrn. Devonport und Grinrod gebaute Dampfmaschinen von je 20 Pferdekräften. Diese Herren haben an den Maschinen eine Neuerung angebracht, welche darin besteht, daß sie die Cylinder unter einem Winkel von 45 Graden in Gestalt eines Rechtekes mit der Hypothenuse nach Abwarts gerichtet fixiren, so daß sie einander gegenseitig stüzen. Es sind hiebei keine Seitenhebel oder Gegengewichte erforderlich, und da überhaupt die Zahl der arbeitenden Theile geringer ist, als an den gewöhnlichen Maschinen, so ist nicht nur die Abnüzung geringer, sondern die Maschine kommt auch nicht so leicht in Unordnung. Die neuen Maschinen bilden ein sehr festes Ganzes, und vereinigen Leichtigkeit mit Starke, Kraft und leichtem Spiele. Bei dem ersten Versuche, der mit dem genannten Schiffe angestellt wurde, eilte es, ungeachtet seine Maschinen ihrer Neuheit wegen noch etwas rauh arbeiteten, doch an mehreren Dampfbooten von größerer Pferdekraft vorbei. (Civil Engin. and Architects Journal. Febr. 1840, S. 10.)

Hall's verbessertes Ruderrad.

Das United Service Journal berichtet von einem neuen Ruderrade, welches Hr. Hall, der durch seinen Verdichtungsapparat und zahlreiche andere Erfindungen hinlänglich bekannt ist, erfunden hat. Seine Angaben hierüber enthalten im Wesentlichen Nachstehendes. Wenn ein Dampfboot schwer geladen ist oder seinen ganzen Kohlenvorrath an Bord hat, so werden seine Ruderräder tiefer getaucht, als es zwekmäßig ist. Damit die Räder unter diesen Umständen mit Vortheil arbeiten können, müssen die Schaufeln losgeschraubt und weiter gegen den Mittelpunkt des Rades zurük gesezt werden: eine Arbeit, welche mühsam und zeitraubend ist. Wenn aber auch diese Adjustirung beim Beginne der Fahrt geschehen ist, so wird doch Während längerer Fahrten im Maaße des Kohlenverbrauches eine weitere Adjustirung nöthig, und diese wird zur See und bei stürmischem Wetter äußerst mühselig. Eine Erfindung, kraft welcher sich die Schaufeln leicht und ruhig verschieben lassen, wird daher für die Dampfschifffahrt, und besonders für Dampfschiffe, die zu weiten Seereisen bestimmt sind, von höchster Wichtigkeit seyn. Man kann bekanntlich nur dann sagen, daß ein Dampfschiff mit seiner ganzen Kraft arbeitet, wenn dessen Maschinen innerhalb einer bestimmten Zeit eine bestimmte Anzahl von Kolbenhuben machen, wobei vorausgesezt ist, daß die Elasticität des Dampfes gleichmäßig von bestimmter Stärke bleibt. Nun ereignet es sich aber sehr oft, daß die Schaufeln wegen einer zu tiefen Tauchung der Räder oder wegen zu hoch gehender See unter einem so ungünstigen Winkel in das Wasser ein- und wieder aus demselben austreten, daß durch das hiebei erzeugte Rükwasser eine bedeutende Menge Kraft verloren geht. Die Folge hievon ist eine solche Ueberlastung des Ruderrades, daß der Dampf, obgleich er die gehörige Spannung besizt, dasselbe nicht gehörig umzutreiben vermag. Ist dieß der Fall, so muß, da die Maschine in der Minute nicht so viele Hube vollbringt, als sie machen sollte, um mit ihrer größten Geschwindigkeit zu arbeiten, entweder Dampf ausströmen und Kraft verloren gehen, oder das Feuer muß in so weit ermäßigt werden, daß nicht mehr Dampf erzeugt wird, als die Maschine bei ihrer verminderten Geschwindigkeit verbrauchen kann. Es kommt demnach unter so bewandten Umständen nicht selten vor, daß Dampfschiffe, deren Ruderräder zu tief getaucht sind, ihrer hohen nominellen Kraft ungeachtet, mit einer weit geringeren Kraft zu arbeiten gezwungen sind. Allen diesen Nebeln hat Hr. Hall durch eine äußerst einfache Erfindung abgeholfen, vermöge welcher sich sämmtliche oder auch nur einzelne Schaufeln eines Ruderrades zu jeder Zeit und bei jeder Witterung in ein Paar Minuten einziehen und ausschieben lassen, und vermöge welcher man also dem Rade jeden beliebigen Durchmesser zu geben im Stande ist. (Civil Eng. and Architects Journal. Febr. 1840.)