Text-Bild-Ansicht Band 75

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d.h. um ihn z.B. von 50 auf 51, von 100 auf 101, von 150 auf 151° zu erwärmen u.s.f. Es ist sehr wahrscheinlich, daß alle festen und flüssigen Körper eine progressiv steigende Wärmecapacität besizen; denn so braucht z.B. ein Pfund Eisen mehr Wärme, um von 100 auf 101° zu gelangen, als um von 40 auf 41° zu kommen, und noch mehr, um sich von 200 auf 201° zu erheben. Das Verhältniß der Wärmecapacitäten eines Körpers für zwei bestimmte Punkte der Thermometerscala, wie z.B. für 32 und 212° F. ergibt sich aus dem Verhältnisse zwischen den Wärmequantitäten, die der Körper auf jedem dieser Punkte erheischt, um gleiche Temperatur-Veränderungen zu erleiden. Im Allgemeinen fällt das Verhältniß der Wärmecapacitäten zweier Körper mit dem zwischen ihrer specifischen Wärme bestehenden Verhältnisse zusammen, d.h. mit dem Verhältnisse der Wärmemengen, die sie bei gleichem Gewichte und auf gleichen Temperaturen bedürfen, um gleiche Temperatur-Veränderungen zu erleiden. Man pflegt die Wärmecapacitäten der verschiedenen Körper auf jene des Wassers, die man als Einheit oder 1,00000 annimmt, zurükzuführen. Wenn z.B. dieselbe Wärme, die das Wasser um einen Grad erwärmt, das Oehl um zwei Grade erwärmt, so sagt man, daß die Wärmecapacität des Wassers doppelt so groß ist als jene des Oehles, oder daß, wenn jene des Wassers 1,000 ist, die des Oehles 0,500 beträgt.

Wenn man sich diese Definitionen und Begriffe klar macht, so wird man die zur Bestimmung der Wärmecapacität oder specifischen Wärme verschiedener Körper benüzten Methoden und Instrumente leicht verstehen.

Der älteste und bekannteste, obwohl nicht der genaueste Apparat zum Messen der von einem heißeren auf einen kälteren Körper übertragbaren Wärmemenge ist der Calorimeter von Lavoisier und Laplace. Derselbe besteht aus drei concentrischen, blechernen, in bestimmten Entfernungen von einander angebrachten Cylindern, von denen die beiden äußeren mit Eis gefüllt werden, während man in den inneren den dem Versuche zu unterstellenden Körper bringt. Die Quantität Wasser, welche in Folge der eingetretenen Schmelzung des Eises aus dem mittleren Zwischenraume abfloß, dient zur Bemessung der Wärme, welche der in dem mittleren Cylinder enthaltene Körper abgab. Ein einfacheres und besseres, auf demselben Principe beruhendes Instrument wäre ein hohler Eiscylinder von gehöriger Dike, in dessen Inneres der heiße Körper gebracht werden müßte, und der durch die Quantität des in ihm vorfindlichen geschmolzenen Wassers die von dem Eise absorbirte Wärmemenge andeuten würde. In diesem Falle wäre nämlich den Irrungen vorgebeugt, die daraus hervorgehen,