Text-Bild-Ansicht Band 75

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zur Beurtheilung der Heizkraft verschiedener Arten von Brennmaterialien.10)

Ich machte es mir bei den Versuchen, welche ich mit den Steinkohlen anstellte, ferner zur Aufgabe, die in ihnen enthaltene Schwefelmenge zu bestimmen – ein Punkt, der bisher noch sehr wenig beachtet wurde, und doch sowohl in Hinsicht auf die Verwendung der Steinkohlen in den Haushaltungen, als auch in Hinsicht auf deren Benüzung in den Eisenwerken und Gasfabriken von großer Wichtigkeit ist. Daß mit einer schwefelreichen Steinkohle, wenn sie auch noch so gut verkohlst wird, kein gutes Eisen erzeugt werden kann, wurde in Frankreich durch einen sehr kostspieligen Versuch erwiesen. Die Gegenwart einer merklichen Menge Schwefel in den zur Gaserzeugung bestimmten Steinkohlen ist dem Gase höchst nachtheilig; denn die Kohlen geben dann eine so große Menge Schwefelwasserstoffgas, daß das Gas einem mühseligen Waschungs- oder Reinigungsprocesse unterworfen werden muß, wodurch das Gas, indem ihm auch öhlerzeugendes Gas oder doppelt gekohltes Wasserstoffgas entzogen wird, an Leuchtkraft verliert. Zum Beweise hiefür darf ich bloß anführen, daß ich in einem Muster, welches unmittelbar von dem aus den Retorten kommenden Gase einer der Londoner Gascompagnien genommen wurde, 18 Proc. öhlerzeugendes Gas fand, während mir dasselbe Gas, nachdem es durch die Reinigungsapparate gegangen, nur mehr 11 Proc. an diesem für die Beleuchtung so werthvollen Gase zeigte. Wenn man sich einer beinahe schwefelfreien Steinkohle, wie z.B. die unter Nr. 4 aufgeführte eine ist, zur Gasbereitung bedient, wird man höchst wahrscheinlich um 10 Proc. mehr Licht erzeugen können, als mit der gewöhnlichen schwefelhaltigen Steinkohle. Man hat diesen Umstand, der für den Gewinn, den die Gaswerke abwerfen sollen, von höchster Wichtigkeit ist, bisher gerade an diesen Anstalten viel zu sehr vernachlässigt; ja man weiß die hierauf bezüglichen Untersuchungen nicht einmal gehörig anzustellen. So fand ich z.B. in einem über eine große industrielle Unternehmung erstatteten Berichte angegeben, daß die dabei verwendete Steinkohle schwefelfrei sey, während ich nicht weniger als volle 7 Proc. Schwefel darin entdekte – eine Menge, welche beinahe doppelt so groß ist, als der Schwefelgehalt der englischen Steinkohlen von mittlerer Qualität im Durchschnitte zu seyn pflegt.

Der Schwefelgehalt läßt sich im Allgemeinen nach dem Ansehen und der Menge der Asche abnehmen. Ist die Asche roth oder okerartig

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Dagegen erhielten andere Chemiker beim mehrmaligen Probiren eines und desselben Brennmaterials nach Berthier's Methode so übereinstimmende Resultate, als man sie nur erwarten konnte. A. d. R.