Text-Bild-Ansicht Band 75

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ergiebige Quelle des Einkommens erschloß. Die Spieluhrenfabrication, ein Feld, auf welchem der Scharfsinn und die Erfindungsgabe des Wälders in freier Thätigkeit sich bewegen konnte, hat innerhalb der 68 Jahre, welche seit ihrem ersten winzigen Beginn verflossen sind, eine Stufe erreicht, auf welche selbst die kühnsten Ideen vormaliger Künstler sich nicht zu schwingen vermochten.

Um dieselbe Zeit fängt auch die Uhrenschildmalerei an, sich zu entwikeln. Der sogenannte Dörstes Mathis aus der Rothwasserhütte trat zuerst mit Zifferblättern auf, welche er mit bunten Oehlfarben bemalt hatte. Georg Gfell fing 1775 an, die Flachschilde zu lakiren. Doch erst, nachdem Cajetan Kreutzer in Furtwangen, Dionys Steyrer und Martin Körner in Eisenbach ums Jahr 1780 den trokenen Lak erfunden hatten, welcher aus einem Grund von Bleiweiß und Kreide mit Leimwasser angerieben bestand, worauf die Farben mit Terpenthin aufgetragen wurden, verbreitete sich die Schildmalerei in einem größeren Wirkungskreise, und die gestochenen Zifferblätter verloren sich allmählich. Die sauberen glatten Schilde mit den in bunten und schreienden Farben auf schneeweißem Grunde ausgeführten Blumen waren geeignet, die Augen des dem feineren Geschmake unzugänglichen Landvolkes zu bestechen. So hatte die Schildmalerei keinen unbedeutenden Einfluß auf die Erhöhung der Nachfrage und den Aufschwung der Uhrenindustrie überhaupt. Unter den Männern, welche den Arbeiten eine haltbarere und gefälligere Appretur zu geben verstanden, zeichnete sich der früher schon erwähnte, nunmehr 73jährige Matthias Faller in Furtwangen aus, welcher die Schildmalerei durch geschmakvollere Zeichnung und angenehmeres Colorit auf einen künstlerischen Standpunkt zu erheben sich bemühte.

Um das Jahr 1780 erschienen Uhren und fanden guten Absaz, deren Gewichte alle acht Tage nur einmal aufgezogen werden durften. 10 oder 12 Jahre darauf wurden jene niedlichen kleinen Hänguhren erfunden, welche heutzutage unter allen Uhrenforten einer der gesuchtesten Artikel sind. Sie gehen im Verkehr unter der Bezeichnung „Zweimal Jokele“, welche der Volkswiz von ihrem Erfinder, der sowohl mit dem Vor- als Geschlechtsnamen Jakob hieß, ableitete.

In den neunziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts hatte sich die Uhrenmanufactur des Schwarzwaldes bereits auf einen sehr beachtenswerten Standpunkt erhoben, und blühenden Wohlstand unter dem gewerbsamen Volke verbreitet. Da sich die Manufacturisten je nach den Haupttheilen der Uhr oder den verschiedenen Gattungen in einzelne Classen, wie: Großuhrenmacher, Kleinuhrenmacher, Spieluhrenmacher, Schildmaler, Glokengießer u.s.w. abgesondert