Text-Bild-Ansicht Band 71

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zum Bohren der Cylinder, wohl aber zum genauen Abdrehen und Abschleifen der Cylinderkolben.

„Unzweifelhaft hat der Bergrath Schitko Gelegenheit gehabt, ein gutes Bohrwerk zu benuzen, und doch bedurfte er großer Vorrichtungen, um das durch die Undichtigkeit seiner Kolben verloren gehende Kraftwasser aufzufangen. Zwar darf man eine hermetische Dichtigkeit beim Kolbengange der Wassersäulenmaschinen nicht erwarten, aber einen so großen Wasserverlust, wie Schitko annimmt, würde er nimmermehr bei Cylinderkolben gehabt haben. Die Anwendung der langen, engen Kraft- und Pumpencylinder ist von allen neueren Mechanikern verlassen worden, da mit dem Durchmesser nur die Friction wächst, aber die Kraft und der Effect mit dem Quadrate. Außerdem verlangen die langen, engen Cylinder bei derselben Kraft oder demselben Effect einen schleunigeren Gang der Maschine, als er sonst wünschbar ist, damit bei einer langsameren Bewegung nicht zu viel verloren gehe; indessen mußte man die alte Construction beibehalten, so lange man über die Dichtigkeit der Kolben in Ungewißheit war.

„Hahnventile werden kaum noch in großen Maschinen angewandt und zwar aus wohlbekannten Gründen, wovon einer der wichtigsten der ist, daß die Durchgänge des Hahnes, wenn dieser oder seine Mutter abgenuzt wird, schief gegen die Oeffnungen der Röhren kommen, und scharfe entgegenstehende Kanten vermehren die Beschwerlichkeiten des Durchganges. Selbst unabgenuzt haben Hähne den Fehler, daß die Biegung des Wasserstrahles sehr kurz wird, und seine Form muß in der Regel sehr verändert werden, ehe er durch den Hahn geht, und nachdem er denselben passirt ist. Schitko verließ sie daher bei einigen seiner späteren Constructionen, und wählte, wie mehrere Erbauer von Wassersäulenmaschinen, Kolbenventile. Diese Art Ventile haben alle die Fehler, welche oben bei anderen Kolben als Cylinderkolben angeführt werden. Sie wurden jedoch vor ein Paar Jahrzehnten theils rund, theils halbrund in England häufig angewandt, bis die Schieberventile (sliding valves) sie verdrängten. Diese haben weder die Mängel der Hahn- noch der Kolbenventile. Bei der Abnüzung werden sie eher dichter als undichter; aber sie werden auch nur äußerst langsam abgenuzt, da man keiner Stopfung oder Liederung bedarf, indem sich hier harte und wohlpolirte Metallflächen auf einander bewegen.

„Die dritte wesentliche Abweichung betrifft die Steuerung. Die Hauptvortheile dabei sind, daß alle ihre Theile, welche Aufsicht und Regulirung je nach der wachsenden Belastung der Maschine bedürfen, bequemer hiezu sind, und daß das Ventil unmittelbar von der Maschine