Text-Bild-Ansicht Band 68

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möge man nicht vergessen, daß bei den stehenden Maschinen der Rauch und das Funkensprühen längs der ganzen Bahn wegfällt, und daß eben dieß auch von der größten Klage gilt, die man an sehr bevölkerten Quartieren gegen die Eisenbahnen hört, und die gegen das Ausströmen des Dampfes während des Wartens der Locomotive auf die Wagenzüge und gegen das Pfeifen bei der Annäherung derselben gerichtet ist. An der Station, wo sich eine stehende Maschine befindet, wird man von allem dem nichts zu leiden haben.

36. Wir empfehlen daher das System mit stehenden Maschinen der Direction zur Annahme, in der vollen Ueberzeugung, daß sie hiedurch ihrer Aufgabe am vollkommensten und mit der größten Ersparniß an Betriebs- sowohl als an Baukosten entsprechen wird.

LXXIII. Technische Notizen, auf einer Reise durch Belgien und Westphalen gesammelt von Dr. Adolph Poppe.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

A. Beschreibung einiger interessanter Maschinen auf der Saynerhütte bei Coblenz.

Das königl. Eisenhüttenwerk Saynerhütte liegt zwei Stunden von Coblenz in einem engen, überaus romantischen Thale. Aus einem Hohofen, zwei Kupolöfen und vier Flammöfen werden außer den gewöhnlichen Gußarbeiten, große Cylinder zu Gebläsen und Dampfmaschinen beliebigen Kabilers, Wasserradwellen, Kanonen, Gloken, alle Arten von Räderwerk u.s.w., so wie auch feine Galanteriewaaren gegossen. Die ganze Einrichtung dieses Werks, in welchem wöchentlich 700 Cntr. Eisen geschmolzen werden, ist großartig und wahrhaft königlich zu nennen. Die Schmelzhütte selbst, bis auf das Dach von Gußeisen, bietet durch ihre eigenthümliche beinahe gothische Bauart einen imposanten Anblik dar.

Der für das Maschinenwesen sich Interessirende findet hier mehrere bemerkenswerthe mechanische Apparate. Die günstige Lage des Etablissements in einem engen wasserreichen Thale macht die so kostspielige Anwendung von Dampfmaschinen zum Betriebe der Maschinerie entbehrlich. Es sind vier Wasserräder in Thätigkeit, wovon ein oberschlächtiges von 20 Fuß Höhe und 3 Fuß Breite die Gebläse, das zweite einen Hammer zum Zerklopfen des Kalksteines, das dritte ein Pochwerk mit 4 eisernen Stampfern, das vierte endlich mehrere Dreh- und Bohrwerke in Bewegung sezt.