Text-Bild-Ansicht Band 68

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und merkwürdig ist ihre Fabrication im Großen, indem wohl bei keiner anderen Fabrik der Vortheil und die glänzenden Resultate einer zwekmäßig angeordneten Arbeitstheilung so auffallend hervortreten. Sollte man denken, daß dieses unbedeutende Ding, welches wir am Wege liegen sehen, ohne uns die geringe Mühe zu nehmen, es aufzuheben, das wir sprüchwörtlich in den Mund nehmen, wenn wir eine für uns möglichst werthlose Sache bezeichnen wollen, durch sechzig bis achtzig verschiedene Hände gegangen ist, ehe es als Waare in den Handel kam?

Die Steknadelfabrik der Madame Reineker in Köln gewährt dem Freunde der Industrie besonders dadurch ein höheres Interesse, daß ein und dasselbe Fabrikgebäude alle Operationen, welche der rohe Draht bis zur fertigen Steknadel durchzumachen hat, vereinigt und somit einen bequemen und sicheren Ueberblik über das Ganze gestattet. Allen Steknadelfabriken, welche ich gelegentlich später sah, mangelt diese dem Betrachter so erwünschte Annehmlichkeit.

In der Regel weist der Fabrikherr den verschiedenen Arbeitern ihre verschiedenen Arbeiten an, gibt ihnen das Material dazu, und sie gehen damit in ihre Hütten, verarbeiten den Draht, jeder der ihm angewiesenen Operation gemäß, und empfangen im Verhältniß der gelieferten Quantität ihren Lohn. Eine solche Fabrik bildet zwar auch ein Ganzes, aber ein Ganzes, dessen einzelne Theile im Umkreis von oft mehreren Stunden zerstreut liegen; daher es dem, welcher zum ersten Mal eine solche Fabrik besucht, schwer, ja oft unmöglich wird, einen richtigen Ueberblik und klaren Begriff von der Reihenfolge und dem Ineinandergreifen der verschiedenen technischen Acte, von der Art und Weise, wie ein Arbeiter dem anderen in die Hände arbeitet, zu erhalten. Im genannten Etablissement dagegen verfolgt man die progressive Umwandlung des Messingdrahtes in die zur Versendung fertige Steknadel vom Anfang bis zum Ende mit allen vorkommenden Nebenoperationen.

Im ersten Arbeitssaale beobachtete ich das Geraderichten, Zerschneiden und Zuspizen des Messingdrahtes. Dieser ist, so wie er aus dem Drahtzuge kommt, ringförmig zusammengelegt, und muß daher, bevor er in die einzelnen Stüke, welche nachher die Steknadeln bilden sollen, zerschnitten werden kann, ganz gerade ausgestrekt werden. Der Draht liegt, um eine Scheibe gerollt, auf einem etwa 18 Fuß langen Tische; mit Hülfe einer Beißzange wird er zwischen zwei Reihen dicht nebeneinander in den Tisch eingeschlagener eiserner Stifte gewaltsam hindurchgezogen, wodurch er seine Krümmung verliert. Die Stifte liegen nicht alle in einer geraden Linie,