Text-Bild-Ansicht Band 68

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sondern die vordersten Paare bilden eine sanfte Krümmung, wodurch die ursprüngliche Biegung des Drahtes auf der Rolle in eine entgegengesezte verwandelt wird, ehe einen Moment darauf das eigentliche Geradestreken erfolgt.

Die so vorbereiteten langen geraden Drahtstüke werden nun von demjenigen Arbeiter in Empfang genommen, welcher den ganzen Tag nichts weiter zu thun hat, als dieselben in lauter kleine Drahtstükchen oder Schäfte von gleicher Länge zu zerschneiden. Diese lezteren müssen indessen die doppelte Länge der daraus zu bildenden Steknadeln haben. Wenn jedes Drahtstük einzeln abgemessen und abgeschnitten werden sollte, so gäbe dieß eine entsezlich langwierige und zeitraubende Arbeit, welche eine ganze Legion Arbeiter in Anspruch nehmen würde; allein ein bewundernswürdig einfacher Apparat, der Schaftmodel, sezt einen einzigen Arbeiter in Stand, die ganze Fabrik mit Nadelschäften zu versehen. Dieses Meßinstrument ist bekanntlich weiter nichts als ein vierekiges, mit einem Handgriff versehenes Stük Holz, welches in gemessener Entfernung vom Rand eine ebene Rükwand besizt und seitwärts noch mit erhöhten Leisten versehen ist. Der Arbeiter nahm 80 bis 100 Drahte auf ein Mal in die Hand, stieß ihre Enden, um sie in einerlei Fläche zu bringen, gegen die erwähnte Rükwand des Models, und schnitt sie mittelst einer kolossalen, an einen Blok befestigten Scheere alle mit einem Ruk an der Kante des Models ab; so mußte er nothwendig lauter Nadelschäfte von gleicher Menge erhalten. Diese Operation wiederholte er in der Minute wenigstens zehn Mal und lieferte daher in dieser kurzen Zeit den Stoff zu 1600 bis 2000 Steknadeln.

Die rohen Steknadelschäfte, welche dieser Arbeiter zubereitet, werden den Händen von vierzehn Zuspizern übergeben. Vier Pferde sezen achtundzwanzig in zwei Reihen vertheilte Spizringe in ungeheuer schnelle Umdrehung. Fig. 18 zeigt ihre Anordnung. A, A ist die durch das Göpelwerk in Umdrehung gesezte Seiltrommel, welche durch einen großen Theil des Saales reicht; a und b die zu beiden Seiten derselben angeordneten Spizringe, welche, ihre Bewegung mittelst gekreuzter Schnüre von der Trommel aus erhalten. Diese die Stelle der Schleifsteine vertretenden Spizringe sind stählerne Scheiben von 5 bis 6 Zoll Durchmesser, deren Umfang, um eine rauhe Oberfläche darzubieten, feilenartig mit Querfurchen behauen ist. Jeder Arbeiter sizt vor zwei Spizringen, einem rauh und einem feiner behauenen; zwischen beide Daumen und beide Zeigefinger faßt er eine Partie von etwa 30 Steknadelschäften und drükt ihre Enden unter einem spizigen Winkel gegen die eine rauhere Scheibe,