Text-Bild-Ansicht Band 68

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das Rad A von einem der Knaben mittelst der Kurbel umgedreht wird, auch die Rolle a sehr geschwind umläuft. Der zweite Knabe stekt in die Umdrehungsachse der lezteren einen ziemlich diken Draht b, c, führt einen feineren, auf die Rolle B aufgespuhlten Messingdraht durch das Oehr eines einfachen, mit einem Handgriff versehenen Werkzeuges d, d, und befestigt ihn an den stärkeren Draht b, c zunächst der Rolle a. Mittelst des Instrumentes d, d weiß der Knabe den feineren Draht so geschikt zu leiten, daß der Draht b, c, welcher mit der Rolle a sehr rasch sich umdreht, von dem ersteren der Länge nach übersponnen wird, wobei eine Windung genau an die andere sich anlegt. Darauf streift derselbe Knabe mit geringer Mühe den übersponnenen Draht von dem anderen herab und erhält dadurch eine dünne Drahtröhre von etwa 2 Fuß Länge, welche er sofort dem dritten Knaben übergibt. Dieser steht mit einer Schere in Bereitschaft und schneidet mit großer Gewandtheit die Drahtröhre in lauter kleine Stükchen von gleicher Größe. Jedes dieser Stükchen bildet ein Drahtgewinde von zwei Windungen und verwandelt sich durch die darauf folgende Operation in einen Steknadelkopf. In 12 Secunden war eine Röhre gebildet, welche Gewinde zu 300 Steknadeln enthielt. Rechnet man in Betracht des durch das Abschneiden und Wiederaufnehmen des zu überspinnenden Drahtes und durch zufällige Umstände verursachten Zeitverlustes 30 Secunden auf die Verfertigung der Röhre, so ist ein fleißiger Knabe im Stande, in einem Tage, bei achtstündiger Arbeit, zu 288,000 Steknadelköpfen den Stoff zu liefern, mithin wahrscheinlich die ganze Fabrik zu versehen. Die Kinder, welche aus den Röhren die Gewinde aus freier Hand schneiden, hatten eine solche Uebung, daß sie im Mittel 60 Schnitte in der Minute machten, wonach ein Kind in acht Stunden Arbeitszeit 28,800 Gewinde liefern kann.

Das Geklapper, welches mir, wie gesagt, schon von Weitem in die Ohren drang, rührte von einem Heer kleiner Fallmaschinen her, mit deren Hülfe das Anköpfen oder die Verbindung des Nadelschaftes mit dem Kopfe bewerkstelligt wird. Diese Operation besorgen ungefähr 40 Knaben von 6 bis 10 Jahren. Jedes Kind sizt vor seiner Wippe, deren Haupttheile ein kleiner Ambos und ein darauf passender, mittelst eines Fußtrittes auf und nieder bewegbarer Stempel sind. Stempel und Ambos bestehen aus gehärtetem Stahl. In dem Ambose befindet sich ein halbkugelförmiges Grübchen von der Größe des zu bildenden Steknadelkopfes, welches in eine kleine Rinne ausgeht, und in dem Stempel ein correspondirendes Grübchen, welche beide zusammen eine Form für den Nadelkopf abgeben. Neben sich hat das Kind zwei Behältnisse, wovon das eine mit den Nadelschäften,