Text-Bild-Ansicht Band 68

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oder Ventil verschließbarer Mündung. Er hält die Trichteröffnung über die nächste beste Form, öffnet den Hahn und fährt in einem Striche über alle Gießlöcher in der Rinne hinweg, wodurch sich alle Kopfhöhlungen füllen. Dieß ist das Werk einer Secunde. So schnell wie möglich eilt der Mann nun zu einer zweiten, dritten, vierten Form und füllt sie auf dieselbe Weise. Der Knabe aber schlägt, so bald der Guß erkaltet ist, die Form auseinander, nimmt die nunmehr mit Köpfen versehenen, zum Theil noch aneinander hängenden Steknadeln heraus, trennt das überflüssige Metall, und bereitet die Form zu einem zweiten Gusse vor. Von der ungemeinen Productivität dieser Methode kann man sich einen Begriff machen, wenn man bedenkt, daß der erwähnte Arbeiter in Zeit von zwei Minuten an 2000 Steknadeln mit ihren Köpfen versehen hatte.

Die Nadeln, welche nun durch gar viele Hände schon gegangen sind, haben ein schmuziges schwarzes Aussehen, und werden daher vor dem Verzinnen durch Sieden in verdünnter Schwefelsäure gereinigt, wodurch sie den ursprünglichen messinggelben Glanz wieder erhalten. Vom Verzinnen selbst konnte ich nicht Augenzeuge seyn, weil die Operation mit einigen Hunderttausend Nadeln zugleich erst später vorgenommen werden sollte.

Nun ging es in den lezten Arbeitssaal, worin ich gegen 50 Kinder von acht bis zwölf Jahren, und zwar zum größten Theil Mädchen, mit Aufsteken der Steknadeln auf Briefe in emsiger Thätigkeit erblikte. Mit dieser Arbeit, welche mit großer Behendigkeit und Geschicklichkeit gehandhabt wird, schließt sich die Kette der verschiedenen technischen Acte, welche den rohen Draht in zwekmäßig angeordneten Uebergängen allmählich in die zur Verpakung fertige Steknadel umwandeln. Jedes Kind hat vor sich eine Art Mulde, in welcher die Steknadeln verworren nach allen Richtungen durcheinander liegen. Wenn es nun jede Steknadel einzeln aussuchen und ans Papier steken wollte, so würde diese Operation vielleicht mehr Zeit und Arbeit kosten, als die Verfertigung der Steknadel vom Anfang bis zum Ende. Daher kommt es erstens darauf au, die Steknadeln so zu ordnen, daß eine gewisse Quantität auf einmal bei den Köpfen gepakt werden könne, zweitens dieselben in größeren Partien zu zehn oder zwölf auf ein Mal auf das Papier zu stechen, und zwar in gleichen Distanzen. Zu dem Ende ist das muldenförmige Behältniß, worin die Steknadeln liegen, um eine Achse drehbar, und der Boden desselben ist reihenweise mit mehreren schmalen Rizen durchbrochen. Indem das Kind die Mulde einige Male hin- und herschwingt, geräth ein Theil der Nadeln in die Rizen, kann jedoch nicht ganz durchfallen, sondern bleibt an den Köpfen hängen, die Spizen nach