Text-Bild-Ansicht Band 68

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Unten gekehrt; nun pakt es mit dem Daumen und dem Zeigefinger eine Anzahl Nadeln und legt sie auf den eigentlichen Aufstekapparat, welcher eben so einfach als sinnreich ist. Er besteht aus einem horizontalen messingenen Lineal, so lang als die Breite des Briefs und so breit als zwei Drittel der Steknadellänge, welches seiner Breite nach mit so vielen kleinen, gleichweit von einander abstehenden Rinnen versehen ist, als der Brief Steknadeln in einer Reihe enthalten soll. Vor diesem Lineal ist eine Vorrichtung, welche das Papier an der Stelle bricht und einklemmt, wo die Nadeln durchgestochen werden sollen. Das Kind nimmt also, wie oben bemerkt, eine Anzahl von etwa 30 Nadeln aus der Mulde und streicht sie über das Messinglineal, wobei jede Nadel in eine Rinne so zu liegen kommt, daß alle Köpfe über die eine Kante des Lineals hervorstehen. Auf diese Weise liegen durch einen Strich alle Steknadeln in Reih und Glied neben einander vor dem Papiere, und es bedarf nur eines leichten Drukes mit der Hand aus die Köpfe, um zehn bis zwölf Steknadeln auf einmal auf den Brief zu stechen. Diese einzelnen Manipulationen gehen so rasch vor sich, daß im Durchschnitt jedes Kind in einer Minute einen Brief liefert. – In demselben Saale bemerkte ich außerdem noch mehrere Knaben, welche das ganze Quantum der producirten Steknadeln noch ein Mal belasen und die fehlerhaften Stüke aussonderten; andere waren ausschließlich damit beschäftigt, die krummen und verbogenen Nadeln auf einem kleinen Ambose wieder gerade zu klopfen.

Mit der Steknadelfabrication vereinigt dieß Etablissement auch noch die Fabrication der Häftchen und Haarnadeln, aber in einem beschränkteren Maaßstabe. Fig. 21 zeigt die Umwandlung des Drahtes in die Häftchen und Häkchen in der Reihenfolge der einzelnen Acte. Das Häftchen geht durch drei Hände; ein Knabe zerschneidet mit Benuzung des Schaftmodels den Eisen- oder Messingdraht in Stüke a von gleicher Länge; ein zweiter Knabe bildet mittelst eines einfachen Instrumentes A an beiden Enden des Drahtstükes a ein kleines Oehr, wie b zeigt. Die wirksamen Theile des Instrumentes A sind zwei Stahlstifte i und h, welche, ungefähr eine halbe Linie von einander entfernt, in einem Handgriffe steten; um nun das fragliche Oehr zu bilden, stekt der Knabe das eine Drahtende zwischen beide Stifte und läßt, während er das andere Ende mit den Fingern festhält, den Stift h einen Kreis um den Dorn i beschreiben, wobei das durchgestekte Drahtende nothwendig um diesen herumgebogen werden muß. Der dritte Knabe endlich biegt das Stük b nur noch um einen dünnen Cylinder, um das fertige Häftchen c zu erhalten. Das zugehörige Häkchen durchläuft auf ähnliche