Text-Bild-Ansicht Band 68

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Weise vier Hände. Das Abschneiden der etwas längeren Schäfte a, und das Bilden der geöhrten Stüke b, hat die Verfertigung der Häkchen mit den Häftchen gemein; nun wird aber das Stük b durch scharfes Umbiegen in der Mitte in das Stük d verwandelt, und aus diesem geht durch abermaliges Biegen das fertige Häkchen e hervor. Die Fabrication der Haarnadel ist noch einfacher; die geraden Drahtstüke werden zuerst an beiden Enden auf dem Spizringe flach zugespizt, dann in der Mitte umgebogen; zulezt wird die Haarnadel noch dadurch geschwärzt, daß man sie in Oehl taucht und auf einer heißen Platte abdampft.

Ich habe dieses Etablissement in hohem Grade befriedigt verlassen. Man sollte kaum denken, daß die Fabrication einer Waare, deren geringer Einzelwerth zum Sprichwort geworden ist, das Interesse noch anzuregen im Stande sey. Allein gerade die hier vor Augen liegende Thatsache, daß auch der scheinbar geringfügigste Artikel, in Masse erzeugt, zu großen Unternehmungen führen kann, verleiht der Steknadelfabrication im Großen einen eigenthümlichen, ich möchte sagen, verführerischen Reiz, der einen industriösen Kopf leicht zu ähnlichen Unternehmungen hinreißen kann. Man sieht das Ganze beinahe ausschließlich durch Kinder betrieben, welche hier eine ihrem zarten Alter und ihren Kräften angemessene Beschäftigung finden und dabei einen geringen Arbeitslohn in Anspruch nehmen; man überzeugt sich mit eigenen Augen von den unverkennbaren Vortheilen einer selbst bis auf die kleinsten Details ausgedehnten Arbeitsteilung; das Auge sieht sich vergebens nach großen complicirten Maschinen um, man erblikt nur höchst einfache, aber unendlich viel leistende Apparate zur Unterstüzung der Handarbeit; der zu verarbeitende Stoff ist wohlfeil, der Absaz der Waare muß bedeutend seyn, denn in unzähliger Menge geht die Steknadel aus den lezten Händen hervor; kurz, es vereinigt sich hier Alles, was den technischen Nachahmungstrieb zu erweken im Stande ist.

(Fortsezung folgt.)