Text-Bild-Ansicht Band 65

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niedrigsten Temperatur, welche eine Zersezung hervorbringen kann, ein halbes Aequivalent Schwefelblei entstehen und ein halbes Aequivalent schwefelsaures Blei unangegriffen bleiben. Erhöht man dann die Temperatur, so wirken das schwefelsaure Salz und das Sulfurid auf einander, es entbindet sich ein Aequivalent schwefliche Säure, und man erhält ein Aequivalent metallisches Blei.

Auch hier finden also zwei ganz verschiedene Wirkungen Statt, die man wohl unterscheiden muß: die Reaction des Kohlenstoffs auf das schwefelsaure Blei, wodurch Schwefelblei unter Entbindung von Kohlensäure entsteht und die des Schwefelbleies auf das schwefelsaure Salz, welche erst bei einer höheren Temperatur eintritt und als Resultat Blei und schwefliche Säure liefert.

Wir wollen nun als zweites Beispiel ein Aequivalent schwefelsaures Blei und ein halbes Aequivalent Kohlenstoff wählen. Bei der niedrigsten Temperatur, welche noch eine Zersezung bewirkt, wird man ein Viertel Aequivalent Schwefelblei und drei Viertel eines Aequivalents an schwefelsaurem Blei erhalten. Wenn dann die Temperatur erhöht wird, reagiren das schwefelsaure Salz und das Sulfurid auf einander; aller Schwefel wird sich als schwefliche Säure entbinden und bloß Bleioxyd zurükbleiben.

Schwefelsaures Kupfer. In der Dunkelrothglühhize lieferte dieses Salz mit überschüssigem Kohlenstoff ein Gemisch von gleichem Volumen schweflicher Säure und Kohlensäure, genau gleich dem theoretischen Volum dieser beiden Gasarten. Der Rükstand bestand, abgesehen von dem überschüssigen Kohlenstoffe, aus metallischem Kupfer, ohne die geringste Spur von Sulfurid.

Wiederholt man diesen Versuch bei einer höheren Temperatur, so sind die Resultate anders; die Gasarten entwikeln sich brausend und die Kohlensäure waltet in dem Gemische vor: auch enthält der Rükstand gebundenen Schwefel. Nach Berthier soll das Kupfer als Protosulfurid zurükbleiben; dieß ist möglich, aber nach den angegebenen Resultaten nicht durchaus nöthig.

Wir wollen noch einige Betrachtungen über den Unterschied der Resultate anstellen, welche eine mäßige und eine stärkere Hize liefert und als Beispiel die Zersezung des schwefelsauren Kupfers wählen.

Wenn sich die Wärme in dem Gemenge von schwefelsaurem Kupfer und Kohlenstoff rasch fortpflanzen würde, wäre es gleichgültig, ob man es mäßig oder stark erhizt, denn das Resultat müßte dasselbe seyn. Das Gemenge muß aber, um eine hohe Temperatur erreichen zu können, vorher auf eine niedrigere kommen, nämlich auf diejenige, welche metallisches Kupfer und gleiche Volume schweflicher Säure und Kohlensäure lieferte; bei einem innigen Gemenge von