Text-Bild-Ansicht Band 65

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um zu beweisen, welcher Nuzen wenigstens beim Ausschmelzen des Roheisens aus der Anwendung von heißer Luft erwachsen muß. Von deren Anwendung bei der Dampfkesselfeuerung waren keine so schönen Resultate zu erwarten. Denn der Theorie nach kann 1 Kilogr. Steinkohlen beiläufig nur 10 Kilogr. Wasser verdampfen. Da nun durch viele Beobachtungen hergestellt ist, daß man bei einem wohl verstandenen Kesselsysteme, bei einem sorgfältigen Baue und bei guten Steinkohlen mit einem Kilogr. Kohlen über 6 Kilogr. Wasser verdampfen kann; und da man es, wenn man den Angaben trauen darf, selbst auf mehr dann 7 Kilogr. Wasser gebracht hat, so erhellt, daß bei der Kesselfeuerung keine so große Ersparniß mehr zu erzielen war, wie bei dem Hohofenbetriebe. Denn, obiges Verhältniß von 6 zu 9 beibehalten, würde man hier das theoretische Maximum, nämlich 7 zu 10 1/2 erreichen, unter welchem man nothwendig immer bleiben wird, besonders so lange man zur Erzeugung eines gehörigen Luftzuges und zur Erhizung der Luft heiße Luft in den Schornstein eintreten lassen muß.

Die Anwendung erhizter Luft scheint daher hauptsächlich bei unvollkommenen pyrotechnischen Apparaten vortheilhafte Resultate zu versprechen. Nimmt man z.B. an, daß man in einem fehlerhaft und schlecht gebauten Kessel mit einem Kilogr. Steinkohlen nur 3 Kilogr. Wasser verdampfen könne, während man in einem besseren Kessel mit gleichem Aufwande 6 Kilogr. Wasser zu verdampfen vermag, so wird man in ersterem Falle zur Verdampfung von 1000 Kilogr. Wasser 333 1/3, in lezterem Falle hingegen nur 166 2/3 Kilogr. Steinkohlen bedürfen. Sezt man nun die aus der Anwendung von erhizter Luft erwachsende Ersparniß zu 1/3 an, so wird sich für je 1000 Kilogr. verdampften Wassers in ersterem Falle eine Ersparniß von 111 Kilogr., im zweiten hingegen nur eine von 55 1/2 Kilogr. Steinkohlen ergeben, so daß also bei dem besseren Kessel die Ersparniß um die Hälfte geringer seyn wird, als an dem schlechteren.

Eine zweite Frage, welche noch erhoben werden kann, betrifft den Zug der Luft. Bei der Anwendung von kalter Luft hat man bisher die Bemerkung gemacht, daß unter übrigens ganz gleichen Umständen jene Kessel, deren Oefen den stärksten Zug hatten, innerhalb einer bestimmten Zeit und mit einer gegebenen Quantität Steinkohlen die größte Menge Wasser verdampften; daß das Brennmaterial um so besser brannte, je stärker der Zug war; und daß die Geschwindigkeit des Luftzuges in dem Maaße stieg, als die Temperatur im Inneren des Schornsteins zunahm: woraus man denn den Schluß zog, daß man, um eine gute Verbrennung oder Verdampfung zu erzielen, die Temperatur im Schornstein nicht zu sehr erniedrigen darf.