Text-Bild-Ansicht Band 65

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Wenn zum Erhizen der kalten, zur Speisung des Feuers bestimmten Luft die verbrannte Luft vor ihrem Eintritte in den Schornstein benuzt wird, so scheint es, als ob diese verbrannte Luft nur mit einer weit niedrigeren Temperatur, als sie ohne Anwendung des Apparates gehabt hätte, in den Schornstein gelangen könnte; allein, wenn man bedenkt, daß der größere Theil des der verbrannten Luft entzogenen Wärmestoffes an die in die Feuerstelle gelangende Luft abgegeben wird, und daß hiedurch auf der Feuerstelle selbst eine raschere Absorption, eine vollkommenere Verbrennung und eine weit höhere Temperatur erzeugt wird, so wird man finden, daß die geringe Menge des dem Schornsteine entzogenen Wärmestoffes reichlich ersezt wird. Erwägt man, daß durch die Speisung der Heizstelle mit heißer Luft die Intensität der Hize auf dieser erhöht werden muß, und daß mithin in Folge der großen Differenz zwischen der Temperatur der Heizstelle und jener des im Kessel befindlichen Wassers innerhalb einer bestimmten Zeit mehr Wärmestoff von dem Wasser absorbirt werden muß, so kann man im Voraus den Schluß ziehen, daß aus der Anwendung von erhizter Luft bei den gewöhnlichen Kesselfeuerungen ein Vortheil erwachsen muß, der, wenn auch geringer als an den Hohöfen, doch immer noch sehr beträchtlich ist.

Nunmehr zu den Versuchen, von denen die beiden ersteren bei den HH. André Köchlin und Comp. an dem blechernen Kessel einer Dampfmaschine von 20 Pferdekräften und mit niederem Druke angestellt wurden. Zur Feuerung verwendete man Steinkohlen von Ronchamp, und zwar zur Hälfte von erster und zur Hälfte von zweiter Qualität; sie wurden in unserer Gegenwart abgewogen. Das Einsteigloch blieb beständig offen; bei ihm entwich der Dampf und bei ihm wurde auch das Wasser eingetragen, um den Wasserstand im Kessel so viel als möglich immer auf gleichem Niveau zu erhalten. Nachdem das Wasser zum Kochen gebracht worden war, reinigte man den Heerd, und begann die Heizung mit den im Voraus abgewogenen Steinkohlen.

Erster Versuch. Mit kalter Luft. Dauer 2 3/4 Stunden. Man brauchte 40 Minuten, um das Wasser zum Sieden zu bringen. 362 Kilogr. Steinkohlen verdampften 1425 Kilogr. Wasser, wonach auf 1 Kilogr. von ersteren 3,92 Kilogr. Dampf kamen. Die gänzlich verbrannte Steinkohle gab 105 Kilogr. oder 29 Proc. Schlake.

Zweiter Versuch. Mit heißer Luft. Dauer 3 Stunden. Das Wasser kam schon in 10 Minuten zum Sieden. 372 Kilogr. Steinkohlen verdampften 2070 Kilogr. Wasser, wonach auf 1 Kilogr. Kohlen 5,70 Kilogr. Dampf kamen. Als Schlakenrükstand blieben 94 Kilogr. oder 26 Proc. Wir konnten den Hizgrad, den die Luft