Text-Bild-Ansicht Band 65

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und Gewinn bleibt. Bedenkt man aber, wie viele Haare zu weit werthvolleren Gegenständen, als zu Perrüken verarbeitet werden, so wird man einen Begriff von der Ausdehnung und der Einträglichkeit des Gewerbes bekommen, welches die französischen Haarkünstler treiben.“

Runkelrübenbau in den Vereinigten Staaten.

Französischen Blattern zu Folge sind aus mehreren der nördlichen Provinzen der Vereinigren Staaten in Frankreich Abgeordnete angelangt, welche beauftragt sind, den Runkelrübenbau und die Fabrikation von Zuker zu studiren und dann nach Nordamerika zu verpflanzen. Man hofft die Zukerfabrication auf diesem Wege in den nördlichen Staaten wohlfeiler betreiben zu können, als sie in den südlichen aus Zukerrohr und mit Sklaven betrieben wird; und man hofft dadurch der Sklavenemancipation in jenen Gegenden am kräftigsten in die Hände zu arbeiten. Die Legislatur von Massachussets soll sogar eine Verordnung erlassen haben, welcher zu Folge durch 5 Jahre hindurch für jedes Pfund Zuker, welcher in dem Staate aus Runkelrüben gewonnen worden, eine Prämie von 3 Sous bezahlt werden soll.

Verhütung des Auswachsens der Kartoffeln durch Einweichen in Ammoniakwasser.

Wenn man Kartoffeln 4 oder 5 Tage lang in Wasser einweicht, dem auf eine Pinte eine Unze gewöhnlichen flüssigen Ammoniaks zugesezt worden ist, so verlieren sie ihre Keimkraft beinahe ganz, so daß man sie, nachdem sie an einem luftigen Orte getroknet worden sind, ein Jahr lang aufbewahren kann. Die Kartoffeln erleiden dabei keine Veränderung; sie werden höchstens mehliger, und bei der großen Flüchtigkeit des Ammoniaks ist nach dem Troknen auch nicht eine Spur davon zu entdeken. Hr. W. H. B. Webster von Ipswich, der diese Mittheilung der Society of art in London machte, glaubt, daß man auf diese Weise hauptsächlich die zur Verproviantirung von Schiffen bestimmten Kartoffeln behandeln soll. läßt man die Kartoffeln anstatt der 5 Tage 3 Wochen lang in der erwähnten Flüssigkeit, so schrumpfen sie ein, und troknet man sie dann in Stüke geschnitten, so werden diese sehr dicht, jedoch nicht sehr hart, und spröde wie Schiffszwiebak. Der eigenthümliche Kartoffelgeschmak geht hiebei ganz verloren, und an dessen Stelle tritt ein rein mehliger, jedoch keineswegs unangenehmer. Beim Sieden verhalten sich diese Stüke beinahe wie Sago oder wie Stärkmehl, ohne jedoch ihre Gestalt zu verlieren. Hr. Webster glaubt, daß bei der angegebenen Behandlung der Kartoffeln keine chemische Veränderung derselben, sondern nur eine mechanische Consolidation, und die Austreibung von Feuchtigkeit vor sich gehe. Ganz dieselbe Veränderung soll nämlich erfolgen, wenn man die Kartoffeln in eine starke Auflösung von Salz in Wasser einweicht und wenn man dann durch wiederholtes Abwaschen wieder alles Salz wegschafft. Hr. Webster meint, daß ausgeschossene Kartoffeln mit Salzauflösung behandelt, ein vortreffliches Viehfutter geben. Endlich empfiehlt er auch noch Kartoffelstarkmehl mit etwas Kalk zu versezen und mit Wasser zu kochen, um sich einen sehr harten, halbdurchsichtigen, unauflöslichen Kleister oder Kitt zu verschaffen. (Aus den Transaction of the Society of arts. Vol. L.)