Text-Bild-Ansicht Band 61

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wohl bestimmen läßt, und indem er immer leichter umgangen wird, als ein gänzliches Verbot. Sollte man ja auf Aufhebung des Verbotes bestehen, so dürfte dieß erst nach einigen Jahren, während welcher man den Fabrikanten Zeit vergönnt sich unter gänzlicher Abschaffung des Zolles der Gespinnste zu erholen, geschehen.

6. Auszüge aus den Aussagen des Hrn. Leblond, Abgeordneten der Tullfabrikanten vom Calvados.

Vor 18 Monaten hatten wir, wenn unser Zustand auch kein glänzender war, doch einigen Ertrag bei unserer Fabrication. Gegenwärtig haben sich die Fabriken vermehrt, die Maschinen wurden erweitert, und doch befinden wir uns in einem weit traurigeren Zustande als je vorher. Unser Fortschreiten in den Maschinerien ist kein Zeichen unserer Wohlfahrt; die Nothwendigkeit allein, und der Drang uns neben unseren Rivalen, die in einer Krise begriffen uns mit den wohlfeilsten Fabricaten überschwemmen, aufrecht zu erhalten, zwang uns hiezu. Früher befanden wir uns besser, weil die Engländer damals so viele Absazwege hatten, daß sie sich um uns gar nicht kümmerten; gegenwärtig ist dieß aber ganz anders, und die Engländer schaden nur um so mehr, als ihre Fabriken in größerem Maaßstabe eingerichtet, und ihre Methoden immer noch vollkommener sind, als sie einen weit wohlfeileren Rohstoff verarbeiten, und als sie auch noch andere bekannte Vortheile vor uns, voraus haben. Die gegenwärtige englische Krise ist nur ein vorübergehendes Uebel für uns; unser Schaden liegt tiefer und wird so lange währen, als wir mit einem Rohstoffe arbeiten müssen, der uns um 40 Proc. höher kommt, als den Engländern. Ich weiß wohl, daß man den Tullfabrikanten, welche freie Einfuhr des Baumwollgespinnstes verlangen, vorwirft, daß sie nur ihr Interesse allein berüksichtigen und dagegen jenes der Spinnereien zum Opfer gebracht wissen wollen. Allein, wenn die Spinnereien unter der 20jährigen Gunst des Einfuhrverbotes nicht jene Fortschritte machen konnten, deren sie fähig sind, so dürfte das Verbot nicht länger mehr als ein wirksames Mittel sie zu heben, sondern als ein den Tullfabrikanten zur Last fallender Mißbrauch zu betrachten seyn.

Der Verbrauch an Tull hat sich in den lezten Jahren, wo ich ihn in einer von mir herausgegebenen Schrift auf 24 Mill. Fr. anschlug, nicht vermindert; wohl aber ist er von der reicheren auf die mittlere Classe übergegangen. Von diesem Verbrauche liefert die inländische Fabrication nur den dritten Theil! Die Tullfabrication hat in Frankreich beständig Fortschritte gemacht und ist den Engländern auf dem Fuße gefolgt; die Spinnerei hingegen blieb zurük, weßhalb wir denn auch immer schlechten Tull erzeugten, so lange wir französisches Gespinnst verarbeiteten. Wir ließen unsere Maschinenmodelle aus England kommen in der Hoffnung, daß uns unsere Spinnereien eben so gute Gespinnste liefern würden, als die englischen. Da diese Hoffnung jedoch getäuscht ward, so hindere man uns nicht, das, was wir in Frankreich nicht haben können, um denselben Preis zu kaufen, um den es unsere Concurrenten bezahlen. Die Inferiorität der französischen Spinnereien rührt nicht, wie einige glaubten, von dem Zustande der Luft her, denn man könnte auch in den unserigen dieselbe Wärme und Feuchtigkeit unterhalten, die man in den englischen findet; der Grund liegt vielmehr hauptsächlich